Kraftwerk
Energieversorger wollen mehr Kraftwerke abschaffen © panthermedia.net / claudia otte

Die Bundesregierung plant im Rahmen der Energiewende die schrittweise Abschaltung von insgesamt 57 konventionellen Kraftwerken. Dies berichtete die Bild-Zeitung unter Berufung auf neue Zahlen der Bundesnetzagentur. Damit sollen nun neun Kraftwerke mehr stillgelegt werden, als noch Anfang des Jahres geplant. 

Energiewende erfordert erhebliche Kosten

Moderne Kraftwerke, wie Wind und Wasserkraftanlagen sollen in Zukunft zu einer erneuerbaren Energieversorgung beitragen. Die Umsetzung der Energiewende muss allerdings laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auch bezahlbar bleiben. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die für das „Handelsblatt“ durchgeführt wurden, kostet die Energiewende den Verbraucher rund 28 Milliarden Euro jährlich. Somit beliefen sich die Kosten für einen Haushalt mit einem Verbrauch von etwa 3500 Kilowattstunden auf ungefähr 270 Euro pro Jahr.

Sind konventionelle Kraftwerke überflüssig?

Konventionelle Kraftwerke, wie Kohle- und Gaskraftwerke, würden auch in Zukunft dringend gebraucht, so die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Hildegard Müller, gegenüber der angeführten Zeitung. Diese Kraftwerke würden die Energieversorgung gewährleisten, auch wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Dennoch erklärte sie, dass sich die Lage für herkömmliche Kraftwerke immer weiter zuspitzen wird und der Bau jeder zweiten neuen Anlage schon während der Planungsphase auf der Kippe stehen würde.

Energiekosten beherrschen

Die Energiewende wurde beschlossen, um dazu beizutragen, die Energiekosten hierzulande zu stabilisieren. Diese Beherrschbarkeit der Preise auf dem internationalen Markt konnte allerdings noch nicht realisiert werden. Die Geschäftsführerin des VIK, des Verbandes der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft, kritisierte diese Tatsache gegenüber der erwähnten Zeitung. Auch Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), gab gegenüber dem Handelsblatt zu bedenken, dass erst nach den Berechnungen des IW das ganze Ausmaß der Kosten für die Energiewende deutlich werden würde. Viele Unternehmen befürchten sogar, das die Kosten nochmals ansteigen könnten. Um dauerhaft rentabel zu bleiben, benötigt die Energiewende einen erweiterten Handlungsbedarf durch die Große Koalition, so Carsten Linnemann von der CDU. Andernfalls könnten Investoren, so Linnemann weiter, durch diese Entwicklungen von dem Standort Deutschland absehen.