Rechnung
Auf welcher Grundlage beruhen die Netzentgelte? © panthermedia.net / vivairina

Stromnetzbetreiber werden reguliert, um Kunden vor erhöhten Preisen zu schützen. Doch um diesen Schutz ausreichend zu gewährleisten, fordern Verbraucherschützer die Entgelte transparenter zu machen. Nur so könne der Stromverbrauch effektiver gestaltet werden.

Hitzewelle kostet Verbraucher Millionen

Der Sommer 2015 brachte viele Stunden Sonne. Dadurch wurde mehr Solarstrom erzeugt als geplant. Die überschüssige Energie konnte jedoch aufgrund von Leistungsengpässen nicht ins Ausland abfließen. Kohlekraftwerke drosselten deshalb ihre Leistung. Dirk Biermann, Geschäftsführer von 50Hertz, schätzte die Kostenbelastung durch die Hitzewille auf rund 25 Millionen Euro (unsere Redaktion berichtete). Diesen Verlust holt sich das Unternehmen zurück: Über die Netzentgelte des Stromkunden. Denn über die Netzentgelte kommen die Verbraucher für Einnahmeausfälle auf. Dies geschieht zum Beispiel auch wenn Windräder vorübergehend abgeschaltet werden müssen.

Teure Energiewende

Laut Zahlen des Bundesverbands Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bezahlt der Stromkunde bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden (kWh) heute monatlich 84 Euro. 1998 waren es noch knapp 50 Euro. Was viele Verbraucher nicht wissen: Die Stromproduktion selbst ist preislich nur leicht gestiegen. Vielmehr sorgen Zwangsabgaben, Steuern und Umlagen für eine Erhöhung. Auch die Vergütungen nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz haben Auswirkungen.

Transparenz bei der Netzregulierung

Am Gesamtpreis haben Netzentgelte mit 23 Prozent einen wesentlichen Anteil. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisiert in einer Pressemitteilung die zersplitterte Netzstruktur mit über 900 Verteilnetzbetreibern. Hier bestehe, so Klaus Müller vom Vorstand des vzbv, Potenzial, effizienter und kostengünstiger zu sein. Hermann Hüwels vom Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) betonte in einer gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne): „Für Verbraucher und Betriebe werden die Netzkosten zu einer wachsenden Belastung. Mittlerweile machen sie rund ein Fünftel des Strompreises aus. Besonders die Industrie ist von einer Steigerung der Kosten durch den Netzausbau betroffen. Umso dringlicher wird mehr Transparenz.“ Robert Bosch, Geschäftführer des bne schließt sich an und betont, dass Transparenz nötig sei, um eine effektive Kostenkontrolle umzusetzen.

Die Bundesnetzagentur hat das Defizit der Transparenz im Bezug auf die Netzregulierung ebenso erkannt und schreibt in einem Bericht, dass Deutschland nach Italien unter acht europäischen Ländern die geringsten Standards im Bezug auf Transparenz hat.