Niedrige Gasvorräte könnten zu Versorgungsengpässen führen
Niedrige Gasvorräte könnten zu Versorgungsengpässen führen

Der größte deutsche Betreiber von Ferngasleitungen, Open Grid Europe (OGE), warnt vor Versorgungsengpässen im kommenden Winter. Wie die Rheinische Post (RP) berichtet, konnten die Erdgasspeicher in Deutschland nicht wie üblich befüllt werden. Laut OGE lagen die Füllstände vor drei Wochen bei etwa 60 Prozent – im letzten Jahr waren es zum selben Zeitpunkt 90 Prozent. Sogar der Wirtschaftsminister von NRW, Garrelt Duin (SPD) schaltete sich laut RP ein und bat den scheidenden Bundeswirtschaftsminister Philip Rössler in einem Brief, sich dem Problem anzunehmen, um die ausreichende Versorgung zu gewährleisten.

Entwarnung von Konkurrenz und Bundesnetzagentur

Bereits am Ende des letzten Winters zeichnete sich nach der langen Kälteperiode eine kritische Situation ab. Die Füllstände der Gasspeicher lagen damals bei 20 Prozent, wobei sie in anderen Jahren immer zwischen 40 und 50 Prozent standen. Dies wird auch von der Bundesnetzagentur bestätigt. Diese versichert jedoch gleichzeitig, dass nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile große Mengen Gas in die Speicher gepumpt werden.

Auch andere große Gasversorger schalteten sich ein und widersprachen den Einschätzungen der OGE. Der größte deutsche Energieversorger E.ON versichert eine “umfassende Vorsorge”, um die eigenen Kunden auch in schwierigen Situationen beliefern zu können. Ähnliches verspricht auch die RWE-Gasspeicher GmbH und gibt an, den Jahresverbrauch von 600.000 Haushalten allein mit den eigenen Speichern abdecken zu können.

Gasmarkt garantiert keine Versorgungssicherheit

Mittlerweile meldete sich auch das Bundeswirtschaftsministerium zu Wort, um letzte Sorgen und Verunsicherungen aus dem Weg zu räumen. Ein Sprecher des Ministeriums gab bekannt, dass die Speicher zu 80 Prozent gefüllt sind und die Versorgung somit gesichert ist. Laut Ministerium werden sie auch weiterhin “intensiv gefüllt”.

Doch der harte Winter ist nicht der alleinige Auslöser für das Versorgungsproblem. Die zunehmende Liberalisierung des Gasmarktes sorgt dafür, dass die Verantwortung für den Einkauf, Transport und Vertrieb von Gas bei unterschiedlichen Gruppen liegt. Zwar wird dadurch der Wettbewerb zwischen den Marktteilnehmern gefördert, letztendlich fühlt sich jedoch niemand in der Verantwortung um die Versorgungssicherheit und muss diese auch nicht garantieren.