Europäische Jugendliche ernähren sich äußerst ungesund
Europäische Jugendliche ernähren sich äußerst ungesund

Wissenschaftler haben mit 26 Teams in zehn europäischen Ländern zwischen Malta und Schweden Gewohnheiten der Ernährung und Ernährungswissen von Jugendlichen unter die Lupe genommen. Auch die körperlichen Aktivitäten und der Grad der Fitness waren Gegenstand der Untersuchungen. An den Studien waren Ernährungswissenschaftler, Ärzte, Biochemiker sowie Sport- und Sozialwissenschaftler beteiligt. Die Ergebnisse geben durchaus zur Besorgnis Anlass. Denn nach den ermittelten Resultaten bringt jeder dritte Junge und jedes fünfte Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren zuviel Gewicht auf die Waage. Sechs Prozent der untersuchten Jugendlichen sind sogar adipös, also fettsüchtig. Die als gesund empfohlene Menge von Obst und Gemüse wird nur von einem kleinen Teil der Jugendlichen verzehrt. Insgesamt kommen die Jugendlichen im Durchschnitt auf eine Nahrungsaufnahme von bis zu 3.300 Kilokalorien pro Tag.

Wenig Gemüse und viel Alkohol

100 Gramm Gemüse, 20 Gramm Fisch, 160 Gramm Fleisch, 125 Gramm Obst, 25 Gramm Schokolade, 55 Gramm süße Backwaren: So sieht der tägliche Speiseplan eines durchschnittlichen Jugendlichen in Europa aus. An Getränken konsumieren die jungen Europäer 0,73 Liter Wasser und 0,31 Liter Softdrinks. Ein Ergebnis hat die Experten aber besonders beunruhigt. Die Nahrung der Jugendlichen setzt sich zu sieben Prozent aus pflanzlicher Kost, aber zu rund 20 Prozent aus Alkohol zusammen.

Wissen wird nicht umgesetzt

Dabei sind die Heranwachsenden durchaus aufgeklärt, was gesunde Ernährung betrifft. Doch Theorie und Praxis klaffen wieder einmal weit auseinander. Gesundes Essen ist langweilig, so die Jugendlichen. Es schmeckt nicht sehr gut und macht auch nicht satt. Die Zubereitung dauert den jungen Europäern einfach viel zu lange. Zudem sei gesundes Essen einfach zu teuer. Vorrangig entscheidet allein der Geschmack darüber, ob ein Lebensmittel verzehrt oder abgelehnt wird. Es sind offensichtlich Vorurteile und fehlendes Wissen, nach dem die Jugendlichen handeln. Auch wissen sie oft gar nicht, was eine gesunde Ernährung eigentlich ausmacht.

Eigene Beurteilung besser als die Realität 

Die Selbsteinschätzung der Jugendlichen sieht anders aus. 85 Prozent der Befragten sind sicher, dass sie sich durchaus gesund ernähren. 36 Prozent meinen, dass ihre Ernährung zumindest nicht ungesund sei, und nur sechs Prozent gaben unumwunden zu, dass die Art ihrer Nahrung eher ungesund ist. Dabei wäre die richtige Einschätzung der Ernährung eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Ernährungsverhalten umgestellt werden könnte. “Gerade in der Adoleszenz kommt es zu vielen physischen und psychischen Veränderungen, die auch die Ernährungsbedürfnisse und das Ernährungsverhalten beeinflussen“, sagen die Autoren der HELENA-Studie.

Neue Strategien für gesunde Ernährung

Die Wissenschaftler sind der Ansicht, dass ein großer Teil der menschlichen Krankheiten bereits in Kindheit und Jugend angelegt werden. Das bedeutet, dass die Gesundheit im späteren Leben bereits in jungen Jahren gestärkt oder geschädigt werden kann. Trotz aller Aufklärung sind nach Aussage der Studie ernährungsbedingte Krankheiten eine der häufigsten Ursachen, warum in den Industrieländern Menschen krank werden oder sterben. Deshalb wollen die Wissenschaftler mit den Daten aus der HELENA-Studie neue Strategien entwickeln. Damit sollen die jugendlichen Europäer erreicht werden. Europaweit sollen dann Ernähungsempfehlungen entwickelt und publik gemacht werden.