Experten warnen: Werbung macht Kinder dick
Experten warnen: Werbung macht Kinder dick

Bis zu 100 Werbespots sehen Kinder pro Tag. Und ein Großteil der Spots, gut die Hälfte, wirbt für Süßes. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) warnt in diesem Zusammenhang vor der Gefahr, die von der Werbung für Kinder ausgeht. Zu viel Werbung könne die Kinder dick machen, so die Befürchtung. Prof. Dr. Berthold Koletzko von der DGKJ erklärt, dass in der Werbung vorwiegend solche Produkte angepriesen werden, die keine wichtigen Inhaltsstoffe für die Gesundheit, die Entwicklung oder das Wachstum bieten. Satt dessen enthielten die Produkte oft zu viel Fett, Salze und vor allem Zucker. Werbung für frisches Obst gebe es hingegen gar nicht, so Prof. Dr. med. Koletzko.

Zusammenhang zwischen Werbung und Übergewicht

Eine kürzlich im American Journal of Public Health veröffentlichte Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern zeigt den Einfluss von Werbung auf Kinder. Demnach ist ein hohes Maß an Fernsehkonsum nicht allein ausschlaggebend für ein Übergewicht bei Kindern. Auch das Programm spielt eine wesentliche Rolle. Bei der Studie wurde das Essverhalten von Kindern analysiert. Die eine Gruppe sah Privatfernsehen mit einem hohen Werbeanteil, die andere Gruppe ausschließlich Bildungskanäle. Letztere Gruppe nahm während der Studie nicht zu, hingegen die Kinder, die ausschließlich Privatfernsehen sahen, im gleichen Zeitrahmen überproportional an Gewicht zulegten.

Vorbild Norwegen: Neues Gesetz gefordert

Die im Privatfernsehen beworbenen Produkte, wie Limonade, Snacks oder Fast Food enthalten zu viel Zucker, Fett oder Salz. Die Forscher der Studie sehen in der Werbung einen maßgeblichen Grund für die Gewichtszunahmen der Probanden. Das DGKJ fordere daher schon seit längerem Beschränkungen für die Werbung an Zielgruppen unter zwölf Jahren. In Ländern wie Norwegen oder Schweden sei eine an unter zwölf-jährige gerichtete Werbung bereits untersagt. Die DGKJ fordert für Deutschland ähnliches und unterstützt den Aktionsplan der Bundesregierung IN FORM und fordert dessen rasche Umsetzung.

Kinder können oft noch nicht differenzieren

Unter acht Jahren sei der "überredende" Charakter der Werbung von den Kindern nicht zu erfassen, bei unter vier-jährigen sei eine Unterscheidung von Programm und Werbung gar nicht möglich. Medienerziehung allein reiche daher nicht aus, so Koletzko. Erst ab einem Alter von etwa elf Jahren seien Kinder in der Lage sich mit der Werbung und ihren Botschaften auseinander zu setzen. Ziel sei, dass auf eine an unter 12-jährige gerichtet Werbung verzichtet würde.