Wein
Forschungen zum Wein der Zukunft © panthermedia.net / Hanna Slavinska

Viele Winzer sehen sich vor dem Hintergrund des Klimawandels und höheren Temperaturen als Gewinner, wenn es um die Ernte praller Weintrauben geht. Die Erwartungshaltung könnte jedoch ein fataler Irrtum sein. Insbesondere aus Deutschland stammende Sorten, wie zum Beispiel Riesling, könnten in Zukunft anders schmecken. Forscher starten einen Langzeitversuch.

Hochschule erforscht Auswirkungen

Die hessische Hochschule Geisenheim erforscht die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wein. Für die Gruppe steht dabei vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie sich ein ansteigender Kohlenstoffdioxidgehalt auf die Pflanzen auswirkt. Diesbezüglich hat die sowohl trockene als auch warme Weinsaison 2015 in der Praxis einen ersten ernstzunehmenden Eindruck bei den Weinbauern in Deutschland hinterlassen. So haben zum Beispiel die Wetterverhältnisse im Rheingau dazu geführt, dass die Riesling-Lese in diesem Jahr erst zwischen Mitte und Ende September beginnt.

Veränderungen sind schon spürbar

Neben Kohlenstoffdioxid sind Methan und Lachgas nach Meinung der Experten für den globalen Temperaturanstieg verantwortlich. Schon jetzt ist erkennbar, dass sich die Bedingungen für den Anbau von Wein deutlich verändert haben. Im Weinbaugebiet Rheingau finden der Austrieb, die Blüte sowie die Lese mittlerweile wesentlich früher statt. Das Mostgewicht, für Winzer ein wichtiger Indikator für die Reife der Trauben, hat indes dramatisch zugenommen. Zudem konnten Wissenschaftler feststellen, dass bereits zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland Rebsorten wie Merlot oder Cabernet Sauvignon, ihres Zeichens klassische Mittelmeerweine, problemlos angebaut werden können. Doch die Veränderungen haben auch ihre Schattenseiten: Durch weniger Wasser und warme Nächte fehlt etwa dem Riesling seine so wichtige Säure. Forscher und Winzer gehen gleichermaßen davon aus, dass sich das schlechte Weinjahr 2003 wiederholen wird. Zusätzlich wirkt sich der beschleunigte Reifeprozess beim Riesling äußerst negativ auf den Pilzbefall aus.

Der Geschmack der Zukunft

Wie Wein in 35 Jahren schmeckt, erforscht das Projektteam der Hochschule Geisenheim ebenfalls. Um diesen Zustand zu simulieren, wird der Kohlendioxid-Gehalt der Luft um 20 Prozent erhöht. Auf diese Weise wollen die jungen Forscher ermitteln, wie der Wein in ungefähr 35 Jahren schmeckt. Erste Einschätzungen gehen davon aus, dass der in Deutschland angebaute Wein einen merklich anderen Geschmack besitzen wird.