Foodwatch: Lebensmittel für Kinder oft zu süß und zu fett
Foodwatch: Lebensmittel für Kinder oft zu süß und zu fett

Beinahe ein Jahr lang nahm Foodwatch verschiedenste Produkte, genau 1.514, auf dem deutschen Lebensmittelmarkt unter die Lupe, welche speziell als „Kinderlebensmittel“ verkauft werden. Erkennbar sind diese allein an ihrer bunten Verpackung mit zahlreichen Comicfiguren, aber auch an direkten Werbeaussagen, wie „für Kids“. Hinzu kommen Lockmittel wie Spielzeuge, Spielfiguren, Rätsel- und Spielaufgaben bis hin zur Vergabe von Codes für Onlinespiele. Das Ergebnis der Untersuchung: Von all den untersuchten Lebensmitteln wurden weit über die Hälfte als ungesund eingestuft, da sie zu süß und zu fett sind. Als Vergleich diente die Ernährungspyramide des aid (aid – Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz).

Ernährungsempfehlungen für Kinder

Um einen Vergleich zu haben, wie eine gesunde Kinderernährung tatsächlich aussehen sollte, nutzte Foodwatch die farbige Ernährungspyramide des aid. Diese teilt die gängigen Lebensmittel in drei Gruppen ein. Zur ersten Gruppe, die in dem Falle grün gekennzeichnet ist, gehören zuckerfreie Getränke, Obst, Gemüse sowie Getreide und Getreideprodukte. Von dieser Gruppe darf reichlich gegessen werden. Von der zweiten Gruppe, welche gelb gekennzeichnet wird, sollte dagegen nur mäßig gegessen werden. Hierzu zählen vor allem Milch und Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Eier. Rot dargestellt wird dagegen die dritte Gruppe, der Süßigkeiten, Fette und Öle zugeordnet werden.

Kinderlebensmittel contra Ernährungsempfehlungen

Die Lebensmittelindustrie schafft es, die Ernährungsempfehlungen für Kinder komplett auf dem Kopf zu stellen. Zu diesem Fazit kommt Foodwatch. Denn etwa 79 Prozent der getesteten Produkte mussten von den Experten der roten Kategorie, also der Lebensmittelgruppe, von welcher nur selten oder wenig gegessen werden sollte, zugeordnet werden. Erstaunlicher Weise handelte es sich hierbei nicht nur um Süßigkeiten, sondern auch um Frühstücksflocken, verschiedene Müslisorten, Früchteriegel, Biokekse, dieverse Teesorten für Kleinkinder, zahlreiche Getränke sowie Joghurtspeisen. Nur die wenigsten Produkte konnten eindeutig der grünen Kategorie zugeordnet werden, von der für eine gesunde Ernährung für Kinder reichlich erlaubt ist.

Damit bestätigt Foodwatch, was zahlreiche Experten in den letzten Jahren verlauten ließen. Unsere Kinder ernähren sich zu süß, zu fett und zu einseitig. Eine ausgewogene und vollwertige Ernährung, wie sie von den Experten empfohlen wird, ist mit dem Angebot an Kinderlebensmitteln auf dem Markt nicht möglich, auch wenn zahlreiche Produkte durch spezielle Werbeaussagen dies glauben lassen möchten.

Verantwortung übernehmen

Immer mehr Kinder in Deutschland leiden an Übergwicht und den daraus resultierenden Folgen, wie Stoffwechselstörungen oder Herz-Kreislauferkrankungen. Einen erheblichen Anteil hierzu trägt möglicherweise die Lebensmittelindustrie mit ihren angebotenen Produkten bei. Ernährungsexperten erwarten deshalb von den Herstellern mehr Verantwortungsbewusstsein. Doch auch Eltern sollten ein gutes Vorbild sein und sich nicht allein auf Werbeaussagen verlassen. Vielmehr gilt es Zutatenlisten zu studieren, und den Kindern reichlich frische Lebensmittelmittel anzubieten. Gepaart mit einer guten Dosis Bewegung am Tag, kann auch Übergewicht bei Kindern leicht vorgebeugt werden.