Gegen die Diskriminierung von Dicken und Schlankheitswahn
Gegen die Diskriminierung von Dicken und Schlankheitswahn

Gisela Enders ist die Vorsitzende des Vereins. Sie weiß von Fällen zu berichten, in denen sogar der Staat schwergewichtige Menschen offen benachteiligt. In einem Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt" erzählt Frau Enders davon, dass Personen von einem Body-Maß-Index ab 30 der Beamtenstatus verweigert wird. Als Begründung führen die Ärzte an, dass Übergewicht zu schweren Krankheiten führen könne. Wer als Beamter durchs Leben gehen will, muss sich zunächst beim Amtsarzt untersuchen lassen. Stellt der Arzt Übergewicht fest, so wird der oder die Betroffene nach den Erfahrungen von Frau Enders aufgefordert: "Nehmen Sie doch mal mit einer Crash-Diät ordentlich ab." Das aber ist ein ausgesprochen schlechter Rat, denn eine rasche Gewichtsabnahme ist sehr ungesund. Gerade diese besondere Art von radikalen Diäten ist gefährlicher für die Gesundheit als jedes Übergewicht.

Amtsärzte müssen Risiken minimieren

Gegen solche und ähnliche Diskriminierungen wollen viele engagierte Dicke und Schlanke am Anti-Diät-Tag hinweisen. Im Vorfeld des Tages erklärte Dr. Thomas Menn vom Ärzteverband des Öffentlichen Gesundheitsdienstes die tatsächlich gängige Praxis. Die Amtsärzte wollten den Betroffenen nur Hilfestellung geben. Außerdem würden natürlich noch andere Kriterien zur Entscheidung über eine Verbeamtung herangezogen. Es sei aber durchaus die Aufgabe der Amtsärzte, möglichst viele Risiken auszuschließen. Übergewichtige Menschen hätten nach medizinischen Erkenntnissen eben ein höheres Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes.

Dicke gelten generell als schwer vermittelbar

Auch in den Jobcentern werden nach den Erfahrungen von Gisela Enders dicke Menschen diskriminiert. Man habe Fälle gehabt, bei denen dicke Arbeitssuchende sofort als schwer vermittelbar eingestuft wurden. "Wenn ich mit zu viel Gewicht in die Arbeitsagentur komme, dann wird aufgrund der Optik und nicht aufgrund der Qualifikation schon von vornherein eingeschätzt, dass diese Person nicht vermittelbar ist." Ähnlich schätzt auch Martina de Zwaan, die zweite Präsidentin der Deutschen Adipositas Gesellschaft, die Lage ein. Übergewichtige werden ihrer Erfahrung nach stigmatisiert. In der öffentlichen Meinung gelten sie als willensschwach oder disziplinlos. Doch das ist in den meisten fällen nicht der Fall. Diäten sind auch ihrer Ansicht nach langfristig nicht sinnvoll und ungesund.

Zeichen gegen Diskriminierung

Der Anti-Diät-Tag soll auf die Probleme und Schwierigkeiten der übergewichtigen Menschen hinweisen. Bereits im Vorfeld des Tages haben Aktivisten aus ganz Europa einen Workshop veranstaltet. Dort soll ein Manifest ausgearbeitet werden. Für Gisela Enders ist es ein wichtiges Ziel, dass die Körperdiskriminierung in der Richtlinie der EU gegen Diskriminierung ihren Platz findet. Das wäre für die Vorsitzende des Vereins Dicke e.V. ein wichtiges Signal.

Schlankheitswahn ist ungebrochen

Der Anti-Diät-Tag soll auf die Gefahren von Diäten hinweisen, über Essstörungen informieren und allgemein für ein gesundes Leben werben, das nicht vom Gewicht abhängig ist. Obwohl es den Aktionstag bereits seit 20 Jahren gibt, hat sich nach Ansicht von Gisela Enders nicht viel geändert. Es sei eher noch schlimmer geworden. "Ich glaube, dass der Schlankheitswahn und der Wahn von Frauen, Kontrolle über ihre Figur zu bekommen und Erfolg an ihrer Figur messbar zu machen, eher zugenommen hat. Es hat in den letzten 20 Jahren sogar auch noch die Männer erreicht."