Schwangerschaft
Alkohol sollte während der Schwangerschaft tabu sein (c) PantherMedia.net / Piotr Marcinski

Seit Jahren wird die Aufklärung über die Gefährlichkeit des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft gefördert. Trotzdem sind nach einer durch den PKV Verband in Auftrag gegebenen INSA-Umfrage knapp dreißig Prozent der Bevölkerung immer noch der Meinung, dass ein gelegentliches Glas nicht schadet. Dieses Denken findet man überwiegend beim älteren Teil der Bevölkerung. Bei über achtzig Prozent der Altersgruppe um zwanzig Jahre ist das Problembewusstsein deutlich größer: Sie halten Alkoholgenuss in der Schwangerschaft grundsätzlich für gefährlich.

Die Zahl der durch Alkohol geschädigten Kinder ist hoch

Laut Studien trinkt mehr als ein Viertel der Schwangeren Alkohol. Schwere geistige und körperliche Schäden beim ungeborenen Kind sind die Folge. Die Giftigkeit der Gesellschaftsdroge wird oft verharmlost. Das ändert aber nichts an den Konsequenzen des Alkoholkonsums: Jährlich werden in Deutschland etwa 2000 Kinder mit FAS (fetalem Alkohol-Syndrom) geboren, weitere 10.000 mit FASD (Fetale Alkoholspektrumstörungen), einer leichteren Form der Schädigung durch Alkohol. Oft ist Unwissenheit eine Mit-Ursache: Auch sehr geringe Mengen können beim Ungeborenen massiven Schaden verursachen. Niemand weiß wirklich, was der Körper des Ungeborenen noch kompensieren kann. Alkoholbedingte Behinderungen können durch Abstinenz in der Schwangerschaft vollständig vermieden werden.

Auswirkungen des Alkoholgenusses auf das Kind

Kinder mit FAS sind meist schwer geschädigt. Auftreten können sichtbare Fehlbildungen wie typische Gesichtsveränderungen, Minderwuchs, aber auch Fehlbildungen an Organen wie Herz, Nieren und Gehirn. Der Säugling leidet unter Ess- undSchluckstörungen und neigt zu Krampfanfällen. Alkoholbedingte Gehirnschäden führen zu mangelnder Intelligenz, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen, auffälligem Sozialverhalten, Sprachdefiziten und Hyperaktivität. Die Symptome bei FASD sind die gleichen, allerdings abgeschwächter und dadurch weniger auffällig.

Auswirkungen auf die Familie

Durch Alkohol geschädigte Kinder sind oft lebenslänglich auf fremde Hilfe angewiesen. Je nach Schweregrad der Schädigung ist alles möglich: Vom eingeschränkten Menschen, der „nur“ Alltagsbegleitung braucht bis hin zum vollständigen Pflegefall. Hoffnung auf Besserung besteht nicht. Bei der Versorgung eines unruhigen Säuglings mit Krampfanfällen, Ess- und Schluckstörungen kommt die Mutter schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Auch mit zunehmendem Alter des Kindes wird es nicht leichter: Geschädigte Kinder sind meist nicht in der Lage, selbständig die alltäglichen Dinge zu meistern. Sie vergessen Einfaches gleich wieder und müssen es täglich neu lernen, darüber hinaus sind sie meist sehr verhaltensauffällig. Oft ist ein normaler Schulbesuch nicht möglich. Dies stellt ohne Zweifel eine Belastung dar, der die betroffenen Eltern wohl auf Dauer schwerlich gewachsen sind.

FAS und FASD sind heute verantwortlich für die häufigsten angeborenen Behinderungen beim Kind, die nicht erblich bedingt sind. Die daraus resultierenden körperlichen Behinderungen, massiven Verhaltensauffälligkeiten, Wachstums- und Entwicklungsstörungen können ganz einfach vermieden werden, denn sie haben nur eine einzige Ursache: Alkoholkonsum in der Schwangerschaft.