Stevia
Stevia ist bekannt für seine enorme Süßkraft © panthermedia.net / Martina Kovacova

Als Anfang Dezember 2011 Stevioglykoside als Süßstoff in Europa zugelassen wurde, waren die Erwartungen groß, denn Stevioglykoside können durchaus überzeugen: Sie besitzen eine Süßkraft, die bis zu 300-mal intensiver ist als die von Zucker und sind dabei kalorienfrei. Der Süßstoff schont zudem nicht nur die Zähne, sondern ist auch für Diabetiker geeignet.

Warum wird Stevia-Süße so selten genutzt?

Die Ursache, dass Stevia seit Ende 2011 nicht den erwarteten Boom gebracht hat, liegt womöglich darin, dass das Interesse an solchen Produkten nicht ausreichend vorhanden ist. Zwar kommen immer wieder neue Produkte, wie mit Stevia gesüßte Getränke, in die Supermarktregale, jedoch ziehen andere, wie Joghurts, wieder vom Markt.

Auch in der Lebensmittelindustrie gestaltet sich der Einsatz von Stevioglykosiden schwierig. Je nach Verarbeitung kann der Süßstoff unterschiedlich, zum Teil sogar bitter im Nachklang, schmecken. Auch die vergleichsweise geringen Mengen, die eingesetzt werden dürfen, bremsen die Verwendung in der Lebensmittelproduktion. Derzeit darf nach der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) der ADI-Wert von 4 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht am Tag nicht überschritten werden. Der Wert beschreibt dabei die Menge eines Stoffes, die bei täglichem Verzehr in der gesamten Lebenszeit keine gesundheitlichen Gefahren verursacht. Vor allem Kinder, die vergleichsweise ein niedriges Körpergewicht aufweisen, können diesen Wert durch industriell hergestellte Produkte rasch überschreiten. Bei der Verwendung zum Kochen und Backen daheim besteht gewöhnlich keine Gefahr.

Die vermeintliche Wunderpflanze

Stevioglykoside bieten den Konsumenten keinen eindeutigen, überzeugenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Süßungsmitteln. Es ist im Vergleich zum handelsüblichen Süßstoff sogar bedeutend teurer. Dies könnte ebenfalls Grund dafür sein, dass die Industrie Stevia-Süße kaum und die Privatkonsumenten immer weniger verwenden. Ob und zu welchen Süßungsmitteln der Verbraucher greift, ist letztendlich eine Frage des Geschmacks. Zudem sind neben den üblichen Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen, Stevia und daraus hergestellte Süßungsmittel nicht die Lösung für Gewichtsprobleme. Die durch Süßstoffe eingesparten Kalorien tragen nur einen kleinen Teil dazu bei. Wer Gewicht verlieren möchte, sollte sich insgesamt gesünder ernähren und ausreichend bewegen.

Die Zukunftsprognosen

Wie sich der Konsum vom Stevia-Süßstoff weiterentwickelt, ist noch nicht abzusehen. Das hängt möglicherweise von den Forschungen und eventuell veränderten Gesetzesbestimmungen ab. Sobald die erlaubten Tagesdosen angehoben oder die Verarbeitung hinsichtlich Geschmack optimiert werden, interessieren sich womöglich auch mehr Konsumenten für Stevia gesüßte Lebensmittel.