Fastfood
Stress nimmt Einfluss auf das Essverhalten © panthermedia.net / pzaxe

Eine Forschergruppe unter der Leitung von Silvia Meier fand kürzlich heraus, dass Menschen, die bereits am Morgen Stress ausgesetzt sind, mittags häufiger zu einer ungesunden Ernährungsweise tendieren. Die im Fachjournal „Neuron“ veröffentlichte Studie gibt Aufschluss darüber, warum wir bei Stress manchmal so gerne zu Burger und Pommes greifen.

Stress nimmt Einfluss auf das Essverhalten

Das Team aus Zürich kam zu dem Ergebnis, dass Stress in Maßen zwar durchaus positive Seiten haben kann, aber auch Einfluss auf unser Essverhalten nimmt. Menschen, die unter Stress stehen, verfügen über weitaus weniger Selbstkontrolle, als ihre entspannten Artgenossen. 29 Probanten mussten, nachdem sie 180 Speisen nach ihrem Geschmack und gesundheitlichem Wert beurteilt hatten, eine ihrer Hände für drei Minuten in eiskaltes Wasser tauchen. Um den Stressfaktor zu erhöhen, wurden sie dabei zusätzlich beobachtet. Eine weitere Testgruppe gab ebenfalls ihre Einschätzungen zu den unterschiedlichen Speisen ab, blieb jedoch von der Eisbehandlung verschont. Es zeigte sich, dass die Teilnehmer der Gruppe, die dem moderaten Stress ausgesetzt war, wesentlich häufiger zu ungesunden Speisen griffen, als die Teilnehmer der anderen Gruppe. Und das, obwohl alle Teilnehmer zuvor erklärt hatten, einen gesunden Lebensstil zu führen. Zusätzliche Aufnahmen des Gehirns ergaben, dass sich Stress auf verschiedenen Wegen auswirkt. Das Bewusstsein für den gesundheitlichen Wert der Speisen wird reduziert, während der Faktor Geschmack in den Vordergrund rückt.

Das Phänomen aus psychologischer Sicht

Stress bedeutet, dass wir uns in einer für uns unausgeglichenen Situation befinden. Um die Balance wieder herzustellen, bedienen sich viele Menschen der Speisen. Die Art der Ernährung kann dabei dauerhaft durch unsere Stressbelastung geprägt werden. Das in der Psychologie bekannte „flight or fight Syndrom“ beschreibt einen Adrenalinstoß, der bei einer Bedrohung in unserem Körper freigesetzt wird. Dies kann durch körperliche, emotionale oder psychische Stresssituationen ausgelöst werden. Eine Nebenwirkung dieses körpereigenen „Dopings“ ist der Einfluss, den es auf unser Essverhalten nimmt. Eigentlich sollte diese Reaktion des Körpers dazu führen, dass wir nichts mehr essen können, aber bei vielen Menschen bewirkt es genau das Gegenteil.

Warum kann Stress Fressattacken auslösen?

Eine bewusste Ernährung steht heute für viele Menschen im Mittelpunkt. Sie versuchen, ihre Nahrungsaufnahme zu kontrollieren und setzen sich meist selbst ständig unter Druck, um weniger zu essen, als sie gerne möchten. Diese Selbstkontrolle bricht unter Stress völlig zusammen. Die mühsam unterdrückten Hungersignale treten nun massiv in den Vordergrund und der Mensch glaubt, durch Essen eine Beruhigung zu erfahren. Daher neigen Menschen, die versuchen kontrolliert zu Essen unter Stressbedingungen vermehrt dazu, zu Schokolade, Hamburgern und Pizza zu greifen. Menschen, die hingegen im Alltag völlig unkontrolliert die Speisen essen, auf die sie Appetit haben, zeigen in Stresssituationen meist keinerlei Appetit. Die sogenannten kontrollierten Esser, die ihre biologischen Signale zugunsten einer Diät unterdrücken, neigen hingegen dazu, in Stresssituationen den geraden Weg zum Kühlschrank einzuschlagen. Abhilfe kann hier ein gezielte Gegensteuern sein. Statt zum Essen sollte man bewusst zu anderen Methoden greifen, die den Stress abbauen. Das könnte zum Beispiel Bewegung an der frischen Luft sein.