Studie zu Übergewicht: Deutschland wird immer dicker
Studie zu Übergewicht: Deutschland wird immer dicker

Dick, dicker, Deutschland. Die Erhebungen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2013 zu den Körpermaßen der Deutschen zeigen: Immer mehr Deutsche sind übergewichtig oder adipös. Seit 1999 ist die Zahl um vier Prozent gestiegen. Das sind etwa 3,28 Millionen Bundesbürger mehr, die zu viele Kilos auf die Waage bringen. Als bedeutendste Ursache nennen Ernährungsexperten immer noch eine falsche Ernährung. Fertigprodukte verdrängen immer häufiger Obst und Gemüse, die zu einer gesunden Ernährung gehören, aus den Einkaufswagen. Das bestätigen auch die Absatzerhebungen 2013 zu tiefgekühlten Fertigprodukten. So stieg allein der Verbrauch von Tiefkühlpizzen von 2003 bis 2012 um satte 63,3 Prozent.

Ab wann es Übergewicht ist

Die Ergebnisse zum Übergewicht stammen aus der Mikrozensus-Zusatzbefragung, die Daten zu Körpergröße und Gewicht erhoben hat. Das Gewicht der Befragten wurde nach dem Body-Mass-Index (BMI) bestimmt und klassifiziert. Für diesen Wert teilt man das Gewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Größe in Metern. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht ab einem BMI von 25 kg/m² Übergewicht, ab einem BMI-Wert von mehr als 30 kg/m² gilt ein Mensch als adipös. Kritisch zu betrachten ist jedoch, dass der BMI nicht zwischen Fett- und Muskelmasse unterscheidet. Demnach zählt auch ein Bodybuilder mit stark ausgeprägten Muskeln zu den übergewichtigen oder adipösen Menschen. Dieser Bevölkerungsanteil ist allerdings relativ gering, sodass die Zahlen den Anteil dicker Deutscher gut repräsentieren.

Steckbrief der dicksten Deutschen

Das Statistische Bundesamt hat die Probanden nach unterschiedlichen soziodemografischen Merkmalen eingeteilt, in denen jeweils der Anteil Übergewichtiger variiert. Zusammenfassend betrachtet, tritt laut diesen Merkmalen Übergewicht am häufigsten bei folgenden Personen auf: Männer ab 30 Jahren, die in Mecklenburg-Vorpommern leben, verheiratet, nicht erwerbstätig sind bzw. in der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung arbeiten und zu einem früheren Zeitpunkt Raucher waren. Besonders hervorzuheben ist, dass bereits ab einem Alter von 30 Jahren weniger als die Hälfte der Männer Normalgewicht hat. Bei den Frauen tritt dieses Phänomen erst ab einem Alter von 55 Jahren auf.

Ist Deutschland die Ausnahme?

Bisher bedienten die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) das Klischee des dicksten Landes der Welt. Doch abgesehen davon, dass dort immer noch die meisten Übergewichtigen Menschen leben, bleiben die Zahlen nahezu konstant. Deutschland hingegen reiht sich in den globalen Trend ein. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist übergewichtig oder adipös, Tendenz steigend. Wogen 1980 noch 857 Millionen Menschen weltweit zu viel, waren es 2013 bereits 2,1 Milliarden Menschen. Die Entwicklung trifft dabei auf Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen zu. Alarmierend ist auch, dass Deutschland zu den zehn Ländern zählt, in denen mehr als die Hälfte der besonders fettleibigen Personen leben.

Tickende Zeitbombe – Übergewicht und seine Folgen

Mit der zunehmenden Zahl Übergewichtiger steigen auch die Erkrankungshäufigkeiten für Zivilisationskrankheiten. Übergewicht ist und bleibt die Hauptursache für Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2 sowie Fettstoffwechselstörungen. Ein Metabolisches Syndrom liegt vor, wenn alle oben erwähnten vier Stoffwechselentgleisungen vorhanden sind. Dieses Syndrom ist beinah ein Garant für Herz-, Gefäß- und Kreislauferkrankungen und führt im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt oder Schlaganfall. "Tödliches Quartett" ist demnach nicht grundlos ein berühmter Spitzname des Metabolischen Syndroms.