30 Jahre Aids-Diagnose: Fortschritt ohne Heilung
30 Jahre Aids-Diagnose: Fortschritt ohne Heilung

Die Immunschwächekrankheit, über die ein medizinisches Fachjournal erstmals im Juni 1981 im Rahmen von mehreren ungewöhnlichen Fällen von Lungenentzündung berichtete, ist bis heute für den Tod von über 30 Millionen Menschen verantwortlich. Laut Schätzungen der UNAIDS sind weltweit rund 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Weltweit kommen 2.500 heranwachsende Infizierte im Alter von 15 und 24 Jahren pro Tag hinzu, so das UN-Kinderhilfswerk UNICEF. Jede zweite Ansteckung mit dem Virus entfällt auf die betreffende Altersgruppe. Eine vollständige Heilung gibt es bislang nicht, doch den Patienten kann mit Therapien geholfen werden, mit der Immunschwäche zu leben.

Deutschland: Geringe Infektionsraten, steigende HIV-Diagnosen

In Deutschland ist die Zahl der Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, im Vergleich zu anderen Industrienationen relativ gering. Gegenwärtig gibt es etwa 63.500 Betroffene, 2.700 neue Infektionen kommen pro Jahr hinzu. Deutschland liegt damit laut dem Internisten und HIV-Therapeuten Dr. Hans Jäger auf Europaebene im unteren Drittel. Dies führt der Experte auf das rechtszeitige Propagieren von Safer Sex, insbesondere für die homosexuelle Bevölkerung, zurück.

Die Hauptursache der Infektionen mit dem HI-Virus besteht demnach im ungeschützten Sex zwischen Männern. Besorgniserregend: Laut dem Robert Koch-Institut nimmt die Anzahl der HIV-Diagnosen in Deutschland seit 2000 wieder zu. Daher werden die wichtigsten Instrumente zu Bekämpfung von Aids – Aufklärung, Schutz, Solidarität – entsprechend der neuesten Erkenntnisse nationaler und internationaler Institutionen weiterentwickelt.

Große medizinische Fortschritte

Bis heute konnten Medikamente sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität von Aids-Kranken erheblich verbessern. In medizinischer Hinsicht ist laut dem Aids-Experten Dr. Jäger ein Vergleich mit Diabetes oder Hypertonie möglich. Demnach sei die HIV-Infektion “von einer tödlichen Erkrankung zu einer schweren chronischen Erkrankung und schließlich zu einer in vielen Fällen komplexen, aber gut behandelbaren chronischen Erkrankung geworden”, so Jäger. Erfahrungen mit Hepatitis C hätten die grundsätzliche Heilbarkeit chronischer Virusinfektionen belegt. Auch bei dem HI-Virus gäbe es vereinzelte Berichte über Heilung, daher gehe es bei den großen Konferenzen zum Thema wieder verstärkt darum. Gibt es also berechtigte Hoffnung, Aids vollständig zu heilen? Die Ansichten der ExpertInnen sind unterschiedlich optimistisch. Der Schweizer Infektologe und Aids-Spezialist Ruedi Lüthy ist der Auffassung, dass eine Krankheit, die sexuell übertragen werde, nicht auszumerzen sei.

Wo wir bei der Bekämpfung von Aids stehen

Von einem Allheilmittel zur Aids-Bekämpfung ist die Wissenschaft ohne Frage weit entfernt. Dies trifft ebenso auf das Millenniumsziel zu, die Ausbreitung der Krankheit bis 2015 zu stoppen. Laut UNICEF-Angaben ist die Zielerreichung nicht absehbar. Parallel gilt es ein anderes großes Ziel stärker als bislang in den Fokus zu nehmen – das Leben mit Aids auf sozialer Ebene. Die damit einhergehende Entwicklung ist längst nicht so weit vorangeschritten wie die medizinische. Auch im Jahr 2011 könnten die Betroffenen noch immer nicht über ihre Erkrankung sprechen, ohne das Risiko einzugehen, am Arbeitsplatz diskriminiert und ausgegrenzt zu werden bzw. diesen sogar zu verlieren. Die Aufklärung muss daher weiter intensiviert werden. Auch der Arbeitgeber steht hier in der Verantwortung.

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