Angst vor dem Zahnarzt verschlimmert Zahnschmerzen
Angst vor dem Zahnarzt verschlimmert Zahnschmerzen

Die Angst vor dem Zahnarzt ist kein Einzelphänomen. Wie der Zahnreport 2011 der Barmer GEK zeigt, geht fast jeder dritte Deutsche nur unregelmäßig zum Zahnarzt. Häufig ist Angst vor den Schmerzen der Grund dafür. Wissenschaftler aus der Schweiz haben sich nun eingehend mit dem Zusammenhang von Angst und Zahnschmerzen beschäftigt. Die Ergebnisse sind erstaunlich: Je stärker die Angst vor Zahnschmerzen ist, desto größer fallen die Schmerzen tatsächlich aus. Die genauen Gründe dafür konnten noch nicht gefunden werden. Die Wissenschaft ist sich jedoch mittlerweile einigt, dass Zahnschmerzen im Körper des Menschen durch eine ganze “Schmerzmatrix” verarbeitet werden, welche zum einen aus Teilen des Gehirns und zum anderen aus sensomotorischen Arealen besteht. Dabei sind unter anderem der Thalamus und das Kleinhirn beteiligt. 

Zahnschmerz eingehend untersucht

Während der Thalamus wie ein Filter wirkt und entscheidet, welche ankommenden Sinnesinformationen wichtig genug sind, um weitergeleitet und verarbeitet zu werden, ist das Kleinhirn vor allem für Reflexe und die Motorik zuständig. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass schmerzverarbeitende Gebiete eine Art Wechselspiel aufweisen und nur gemeinsam in der Lage sind, den Zahnschmerz zu lokalisieren und angemessen auf ihn zu reagieren. Schmerzen werden im menschlichen Körper meistens zweistufig verarbeitet. Zunächst lokalisiert das Gehirn, wo es schmerzt und bewertet den Reiz daraufhin emotional. Ein Wissenschaftlerteam unter Leitung des Neuropsychologen Mike Brügger von der Universität Zürich untersuchte, ob diese Zweiteilung auch für den Zahnschmerz gilt.

Angst kann Zahnschmerzen verstärken

Für die Studie wurden den Studienteilnehmern schmerzhafte elektrische Impulse an die Zähne gesetzt. Anschließend untersuchten die Forscher anhand einer sogenannten funktionalen Magnetresonanztomografie (fMRT), wo im Gehirn die stärkste Durchblutung stattfindet. Damit kann festgestellt werden, wo die Schmerzen im Gehirn genau verarbeitet werden. Die Untersuchungen verliefen zunächst unspektakulär und zeigten ähnliche zweigeteilte Verarbeitungsprozesse wie bei herkömmlichen Verletzungen. Überraschend war jedoch, dass neben den gewöhnlichen Hirnarealen auch das Angstzentrum, also die Amygdala, bei den Probanden über die gesamte Versuchzeit hinweg aktiv war. Auch bei anderen Studien wurde eine aktive Amygdala beobachtet, jedoch bisher nicht so durchgängig und deutlich wie bei den Zahnschmerzen.

Weitere Studien zur Zahnempflindlichkeit

Brügger und sein Forscherteam gehen nun davon aus, dass die verstärkerte Aktivierung der Amygdala und die damit einhergehende stärkere Repräsentation von Angst als spezifisch für den Zahnschmerz bezeichnet werden kann. Zahnschmerzen lösten demnach ganz unmittelbar größere Ängste aus als andere Schmerzen. Warum Zähne diese Überempfindlichkeit aufweisen, ist bisher noch nicht geklärt. Dafür sind weitere Studien notwendig. 

Kommentare