AOK will Handys zur gesundheitlichen Vorsorge einsetzen
AOK will Handys zur gesundheitlichen Vorsorge einsetzen

Im November 2010 wurde das "Kompetenzzentrum für digitale Präventionsassistenz" (KoPrA) in Berlin gegründet. Dort entwickelten der AOK Bundesverband, die AOK Nordost und die Technische Universität Berlin Produkte zur gesundheitlichen Prävention. In einem Gespräch mit der “Arzte Zeitung” erläutert Jürgen Graalmann, der stellvertretende Vorsitzende des AOK Bundesverbandes, die grundsätzlichen Überlegungen, die hinter den neuen Möglichkeiten zur Vorsorge stehen. Das Handy soll als neues Medium in die medizinische Prävention eingebunden werden. Junge Menschen, so Graalmann, können mit Handy und Smartphone besser erreicht werden. Andere Wege wie Broschüren oder entsprechende Veröffentlichungen sind in ihrer Wirkung begrenzt. Mit dem Handy könne man gezielte und individuell abgestimmte Tipps zur Prävention an die Versicherten weitergeben.

Technische Entwicklungen zur Gesundheitsvorsorge

Die AOK will den rasanten Fortschritt auf dem Gebiet der Kommunikationstechnik für ihre Anliegen nutzen. Mit den immer intelligenteren Handys und Smartphones ist eine ganze Reihe von Anwendungen denkbar. So könnte man die Handys mit Sensoren ausstatten und sie so beispielsweise als Schrittzähler nutzen. Auch ist es über das Handy machbar, Kindern den Spaß an körperlicher Aktivität zu vermitteln. Den Gewichtsproblemen bei Kindern, die auch durch zu wenig Bewegung hervorgerufen werden, könnte so begegnet werden.

Einsatz bei Ernährung und Bewegung

Die allgegenwärtigen Apps könnten auch zur gesunden Ernährung beitragen. Jürgen Graalmann sagte in dem Interview, es sei durchaus eine Anwendung denkbar, die mit einem Scanner die Pommes und das Schnitzel auf dem Teller ausmachen kann. Das Handy könnte dann genau sagen, wie viele Kalorien eine solche Mahlzeit hat und wie viel Mühe es macht, um diese Kalorien wieder abzutrainieren. Es sind genau solche Programme, die die AOK anstoßen und weiter entwickeln will. Die so erstellten Anwendungen wird KoPra testen und auf ihre Tauglichkeit in der alltäglichen Praxis hin abklopfen.

Gesundheitsanwendungen keine Zukunftsmusik   

Aktuell sind solche Programme für Handy und Smartphone noch Zukunftsmusik. Doch Jürgen Graalmann ist der Meinung, dass die Zukunft auf dem Gebiet der “Digitalen Präventionsassistenz” schon bald beginnen wird. Den Pommes-Scanner wird es nicht so schnell geben, aber bereits zum Ende dieses Jahres könnte das Handy individuell gestaltete Angebote präsentieren. Denkbar wären Hinweise zur Rückenschule, zur Ernährung oder zur Vorbeugung von Krankheiten. Die AOK will ihre Kompetenz zur Prävention nutzen, die Technische Universität hat das Fachwissen und die Testläufe können über die AOK Nordost abgewickelt werden.

Handy verbindet Arzt und Patient 

Doch nicht nur die Patienten sollen von den neuen Entwicklungen profitieren. Auch die Ärzte haben nach Ansicht des AOK-Vizes erheblichen Nutzen von den Programmen zur Gesundheitsvorsorge über das Handy. Die Patienten werden so kompetenter und können auf diese Weise zu verlässlicheren Partnern der Ärzte werden. Mit den individuellen Apps könnten auch zum Beispiel Patienten besser dazu angehalten werden, sich mehr zu bewegen oder auf anderem Weg ihre Gesundheit zu fördern. Die ständige Motivation ist für einen Arzt kaum leistbar. Auch sei dran gedacht, die Gemeindeschwestern über das Handy besser mit den ärztlichen Praxen zu verbinden. Die neue Technik soll die Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten verbessern und die Arbeit der Mediziner optimal ergänzen und unterstützen.

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