Asse: Erhöhte Krebsgefahr am Atommülllager
Asse: Erhöhte Krebsgefahr am Atommülllager

Dramatische Zahlen hat das niedersächsische Umweltministerium veröffentlicht. Von einem "Schock" spricht der Vorsitzende der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Stefan Schostok. Demnach sind zwischen 2002 und 2009 in der Nähe des maroden Atommülllagers Asse zwölf Männer neu an Blutkrebs erkrankt. Verglichen mit dem stastistischen Mittelwert von 5,2 Neuerkrankungen sind das signifikante Abweichungen. Die Zahl der Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen hat sich bei den Frauen in der Region im gleichen Zeitraum sogar verdreifacht, so die Auswertungsergebnisse des Epidemiologischen Krebsregisters des Landes. Zwar könne nach Auskunft des Spechers des niedersächsischen Sozialministeriums, Thomas Spieker, keine Ursache für die Häufung festgestellt werden. Der Einfluss von Alter und Form der Beschäftigung der 10.000 Gemeindemitglieder sei diesbezüglich noch ungewiss.

Aufklärung und Transparenz gefordert

Dennoch wurde angesichts der doppelt so hohen Blutkrebsraten bei den Männern und den 3 mal so hohen Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen bei den Frauen, eine Arbeitsgruppe zusammengestellt, in der unter anderem das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das Gesundheitsamt des Landes Niedersachsen mitwirken. Transparenz, so Spieker, sei nun das oberste Gebot. Für das Jahr 2011 wurde eine genaue statistische Auswertung angekündigt. Bereits in der Vergangenheit wurden mehrere Krebs-Erkrankungen der früher dort beschäftigen Bergleute registriert.

Asse: Deutlich größere Gefahr als bekannt

Im Atommülllager Asse sind ab dem Jahr 1967 innerhalb von 11 Jahren über 125.000 Fässer mit Atommüll eingelagert worden. Laut den Begleitpapieren, welche die Strahlungintensität festhalten sollten, waren die meisten Fässer lediglich schwach radioaktiv. Ein vom niedersächsischen Landtag eingesetzter Untersuchungsausschuss hat in den letzten Jahren unter anderem festgestellt, das weit mehr mittel-radioaktive Fässer in Asse eingelagert wurden. Diese deutlich gefährlicheren Fässer haben zwar spezielle Beton- und Bleiabschirmungen, dennoch geht von ihnen eine keinesfalls zu unterschätzende Gefahr aus.

Letztes Mittel: Räumung des ganzen Lagers

Seit längerem ist nämlich bekannt, dass in die Grube Wasser eindringt. Die Gefahr: Erosion an den Fässern, mögliches Austreten radioaktiver Stoffe inklusive Verseuchung  des Grund- und Trinkwassers. Aufgrund dieser Tatsache will das Bundesamt für Stahlenschutz die Fässer "evakuieren". Inwiefern dies überhaupt möglich ist, wird noch geprüft. Vorläufige Schätzungen hinsichtlich der Kosten belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro. 

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