Behandlung mit Medikamenten senkt Risiko einer HIV-Infektion
Behandlung mit Medikamenten senkt Risiko einer HIV-Infektion

Aids ist immer noch nicht heilbar. Aktuell gibt es nur die sogenannten antiretroviralen Medikamente, die bei einem HIV-Infizierten den Ausbruch der Krankheit hinauszögern oder aber den schweren Verlauf der Krankheit abschwächen können. Es sind Mittel, die erheblich in den Organismus des Menschen eingreifen und deshalb auch starke Nebenwirkungen haben. Der gesamte Verdauungsapparat, Leber und Nieren können in Mitleidenschaft gezogen werden. Im Verlauf der amerikanischen Studie wurde nun seit 2005 untersucht, wie sich unterschiedliche Zeitpunkte für den Start der Medikamenteneinnahme auf den Krankheitsverlauf auswirkten. Deshalb wurden für die Untersuchung nicht nur HIV-positive Probanden ausgewählt. Es nahmen auch Paare teil, von denen ein Partner infiziert, der andere aber gesund war.

Zeitlich versetzter Einsatz von Medikamenten 

Rund 1.800 Paare aus Asien, Afrika und Amerika wurden für die Studie rekrutiert. Bei circa der Hälfte der teilnehmenden Paare war der Mann HIV-infiziert, bei der anderen Hälfte die Frau. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe der Infizierten erhielt bereits zu Beginn der Studie elf Medikamente, die schon jetzt überall zur Bekämpfung von Aids eingesetzt werden. Der anderen Gruppe wurden die Arzneimittel erst dann gegeben, als sich ihr gesundheitlicher Zustand verschlechterte. Das ist bisher üblicherweise der Zeitpunkt, von dem an die Aids-Medikamente verordnet werden. Darüber hinaus gab es keinerlei Unterschiede in der Behandlung der Studienteilnehmer.

Frühe Behandlung verhindert Ansteckung 

Der Verlauf der Studie führte zu einem geradezu sensationellen Ergebnis. Es gab nur einen einzigen Teilnehmer, der sich bei seinem Partner aus der Gruppe angesteckt hatte, die von Anfang an die Medikamente genommen hatte. Alle anderen Ansteckungen waren in der Gruppe passiert, die nicht sofort medikamentös behandelt wurde. Insgesamt steckten sich 39 der anfänglich Gesunden an. Bei sieben dieser Infizierten stellte sich heraus, dass sie von einer dritten Person angesteckt wurden. Vier Fälle wurden noch nicht abschließend untersucht. Es bleiben 28 Ansteckungen übrig, von denen 27 von Partnern aus der Gruppe ohne sofortige Behandlung verursacht wurden.

Durchbruch in der Aids-Forschung

Ausgelegt war die Studie eigentlich noch bis zum Jahr 2015, doch nun wurde sie vorzeitig abgeschlossen. Die Daten waren so eindeutig und positiv, dass die Studienergebnisse bereits jetzt veröffentlicht wurden. Auf die gesamte Untersuchung gesehen steht fest, dass sich das Risiko einer Ansteckung mit dem HI-Virus bei früher Medikamentengabe um 96 Prozent verringern lässt. Michel Sidibé ist der Direktor des Programms UNAIDS, einem Koordinationsprogramm der UNO gegen Aids. Er beurteilt die Studienergebnisse als Durchbruch. "Es macht die HIV-Therapie zu einer neuen Schutzmaßnahme", so sein Urteil. Es sei nur wichtig, dass die Therapie auch für alle Paare verfügbar sei.

Vorsicht ist immer noch nötig

Doch die neuen Ergebnisse sind nun mit Sicherheit kein Grund, um sorglos zu werden. UNAIDS und die Weltgesundheitsorganisation WHO machen deutlich, dass keinesfalls eine einzige Maßnahme allein gegen eine HIV-Infektion schützen kann. So müsse eine medikamentöse Therapie beispielsweise durch die Nutzung von Kondomen ergänzt werden. Nur mit einer breiten Palette an Möglichkeiten könne die Situation entspannt werden. Auf der ganzen Welt sind mehr als 33 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, und in jedem Jahr gibt es ungefähr 2,5 Millionen neue Ansteckungen. Im Jahr 2009 verlief die Krankheit für 1,8 Millionen Menschen tödlich.