Beim Notfall Schlaganfall muss schnell gehandelt werden
Beim Notfall Schlaganfall muss schnell gehandelt werden

Schlaganfall, Hirninfarkt oder Gehirnschlag, Apoplex oder Insult – das alles sind Bezeichnungen für eine der häufigsten Gefäßkrankheiten. Eine Blutung im Gehirn oder ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß im Gehirn verschließt, sind mögliche Ursachen für ein solches Ereignis. Ein Blutgerinnsel ist in 80 Prozent der Fälle für den Schlaganfall verantwortlich. Das Gehirn wird in den betroffenen Bereichen nicht mehr durchblutet, angrenzende Areale werden sehr viel schwächer mit Blut versorgt. An der Stelle des direkt betroffenen Gefäßes sind die Gehirnzellen in den meisten Fällen nicht mehr zu retten, denn sie sterben ab. Doch die Zellen, die rund um den Kern des Geschehens liegen, können oft noch wiederhergestellt werden. Dazu muss aber das Gefäß so schnell wie möglich wieder geöffnet werden.

Schnelle Hilfe ist extrem wichtig

Der Schlaganfall ist inzwischen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Außerdem verursacht ein Hirninfarkt die meisten Behinderungen bei Erwachsenen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Betroffenen so schnell wie möglich behandelt werden. Viele Patienten scheuen sich, bei den ersten Symptomen sofort den Rettungsdienst zu rufen. Ein Schlaganfall verursacht keine Schmerzen, die Erscheinungen sind eher unspezifisch. Der Vorsitzende der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), Professor Joachim Röther, weist auf die Notwendigkeit der schnellen Reaktion hin: "Es gibt immer noch Menschen, die mit einer Halbseitenlähmung aufwachen und dann weiterschlafen in der Hoffnung, dass am nächsten Morgen wieder alles in Ordnung ist."

Effektive Therapie in den ersten Stunden

Doch das ist natürlich eine völlig falsche Einschätzung der Situation. Viereinhalb Stunden nach dem Auftreten der Symptome kann der Schlaganfall noch am effektivsten behandeln werden. Eine Thrombolyse, kurz Lyse genannt, kann nur innerhalb dieses Zeitraumes eingeleitet und durchgeführt werden. Mit dieser Behandlung wird der Blutpfropf, der das Gefäß verstopft hat, wieder aufgelöst. Obwohl Deutschland große Erfolge bei der Versorgung akuter Schlaganfälle aufweisen kann, so geschieht die Einweisung in ein Krankenhaus immer noch in vielen Fällen zu spät. Nur rund 30 Prozent der Patienten erreichen die Klinik früh genug für eine Lysetherapie.

Notruf bei typischen Symptomen

Der Weltschlaganfalltag ist eine willkommene Gelegenheit, um die Menschen für die Symptome zu sensibilisieren. Frühere  Aufklärungskampagnen haben wohl nicht alle Menschen erreicht. Die DSG und die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe wollen dazu beitragen, dass die Behandlung noch effektiver wird. Wenn man bei sich selbst oder einem Angehörigen Lähmungen, plötzlichen Schwindel, Sprach- oder Sehstörungen oder einen hängenden Mundwinkel bemerkt, so muss sofort reagiert und der Notruf abgesetzt werden.

Behandlung am besten in speziellen Stationen  

Die Besatzung des gerufenen Rettungswagens kennt auch sicher eine sogenannte "Stroke Unit" in der Nähe. Deutschland ist mit insgesamt 180 von solchen Spezialstationen gut aufgestellt, die sich auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten konzentrieren. Zwischen 60 und 70 Prozent der Fälle kommen zur Behandlung auch in diese Stationen. "Bestehen sie darauf, dass eine Spezialstation angefahren wird," sagt Professor Röther. Meistens ist eine Unit im Umkreis von 40 km vorhanden. Dort diagnostizieren die Spezialisten die genauen Ursachen und leiten die Behandlung ein.

Vorbeugen ist besser als Schlaganfall

Im allergünstigsten Fall wird man natürlich erst gar nicht zum Schlaganfallpatienten. Joachim Röther bezeichnet Bluthochdruck, Übergewicht und hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen und zu wenig Bewegung als die dominierenden Risikofaktoren. Er meint, dass sich 50 bis 70 Prozent der Schlaganfälle durch Prävention verhindern ließen. Eine allgemein gesunde Lebensweise und die konsequente Behandlung von den entsprechenden Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes können dazu beitragen, dass der Rettungswagen erst gar nicht zum Einsatz kommen muss.