Bilder von Prominenten helfen bei Früherkennung von Demenz
Bilder von Prominenten helfen bei Früherkennung von Demenz

Tamar Gefen ist Doktorandin an der Northwestern University in US-Bundesstaat Illinois. Sie hat diesen Test entwickelt, der vor allem eine eher seltene und früh einsetzende Form der Demenz erkennen könnte. Die Primäre Progressive Aphasie (PPA) macht sich vorrangig mit Problemen bei der Kommunikation bemerkbar. Das Sprachvermögen verschlechtert sich, während Erinnerungsvermögen, Planungs- und Urteilsvermögen sowie die Gefühlswelt intakt bleiben. Doch ist es möglich, dass ein Betroffener plötzlich den Namen eines langjährigen Kollegen nicht mehr weiß. Schreitet die Krankheit fort, treten Schwierigkeiten beim Sprechen in Zusammenhängen auf. Die PPA kann nicht behandelt werden. Sie tritt bereits im Alter zwischen 40 bis 65 Jahren auf. Für den Test wurden den Probanden Bilder von Prominenten vorgelegt.

Gesichter erkennen und Namen nennen       

Insgesamt nahmen 57 Probanden an der kleinen Studie teil. 30 Teilnehmer hatten eine  beginnende PPA, 27 Probanden hatten keine Demenz. Das Durchschnittsalter lag bei 62 Jahren. Den Studienteilnehmern wurden 20 Schwarz-Weiß-Fotos von bekannten und berühmten Personen des 20. Jahrhunderts vorgelegt. Die Teilnehmer sollten zum Beispiel Elvis Presley, Lady Di, John F. Kennedy oder Albert Einstein erkennen. Konnte ein Proband den Namen des Prominenten nennen, erhielt er einen Punkt. Fiel ihnen der Name nicht ein, so konnten die Testpersonen über Beschreibung von mindestens zwei Eigenschaften der abgebildeten Person Punkte sammeln.

Abbau des Gehirngewebes   

Die Teilenehmer mit PPA schnitten bei dem Test spürbar schlechter ab als die Probanden ohne die demenzielle Störung. Sie konnten zu 79 Prozent die Gesichter der Promis erkennen, die Namen konnten 49 Prozent der PPA-Patienten nennen. Bei den Testpersonen ohne Demenz lagen die Zahlen entsprechend bei 97 und 93 Prozent. Tamar Gefen erklärt, warum bei dem Experiment zwischen dem Erkennen des Gesichtes und dem Namen der Prominenten unterschieden wurde. "Das kann helfen, die spezifische Form der geistigen Einschränkung der Person herauszufinden." Die gleichzeitig erstellten MRT-Untersuchungen untermauerten die Testergebnisse. Bei den Teilnehmern mit Problemen bei der Nennung der Namen war ein Abbau des Gewebes am linken vorderen Schläfenlappen. Bei Schwierigkeiten bei der Gesichtserkennung waren beide Seiten des Gehirns in Mitleidenschaft gezogen.

Neuer Test sollte angewandt werden  

Nun muss aber nicht jeder, der mal einen Namen vergisst oder ein Gesicht nicht erkennt gleich befürchten, dass er eine Demenz entwickeln könnte. Das ist mit Sicherheit nicht der Fall. Aber wenn eine prominente Persönlichkeit wie Elvis Presley nicht erkannt wird, könnte das auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten. Tamar Gefen plädiert dafür, dass ihr neu entwickelter Test auch bei den bisher üblichen Untersuchungen zur Erkennung von Demenzerkrankungen eingesetzt wird. Der Test muss aber individuell angepasst werden, denn ein älterer Mensch muss nicht unbedingt Gesicht und Namen von Popstars kennen. 

Differenzierte Untersuchungen sind hilfreich   

Bei den bisher üblichen Tests wird zum Beispiel nach dem aktuellen Jahr, dem Monat oder dem Wochentag gefragt. Der Gesichtserkennungstest könnte das Spektrum der Möglichkeiten erweitern. Zudem sagt die Forscherin, dass die Untersuchung dazu beitragen kann, das Verständnis von der Arbeit des Gehirns vertiefen. Es gebe so viele unterschiedliche Formen der Erkrankung. Deshalb sei es sinnvoll, die Untersuchungen so breit gefächert wie eben möglich zu gestalten.