Blutdruck
Viele Menschen leiden an einem erhöhten Blutdruck © panthermedia.net / Andriy Popov

Laut Bericht des Robert-Koch-Instituts leiden 20 bis 30 Millionen Bundesbürger an Bluthochdruck. Das ist nahezu jeder Dritte in Deutschland. Die „renale Denervation“, eine Methode mit dem Ziel der langfristigen Blutdrucksenkung, sorgte angesichts enttäuschender Studienergebnisse unter den Forschern für viel Diskussionsstoff. Jetzt sollen weitere Untersuchungen Klarheit schaffen.

Bluthochdruck ist weit verbreitet

Bei Bluthochdruck handelt es sich um eine Volkskrankheit. Sie ist ein wichtiger Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, Nieren- und Herzschwäche. Eine bestimmte Ursache für die erhöhten Werte gibt es nicht. Allerdings können bestimmte Bedingungen eine Entstehung begünstigen. Meist wird Bluthochdruck mit Medikamenten behandelt. Nur in schweren Fällen, wenn eine Behandlung mit Medikamenten nicht ausreicht, wird eine Operation durchgeführt. Die Kosten, die bei einer Behandlung mit Medikamenten entstehen, werden von der Krankenkasse übernommen. Die Übernahme der Kosten für eine Operation wird hingegen je nach Einzelfall geprüft.

Zur Methode der renalen Denervation

Bei einer „renalen Sympathicus Denervation“ handelt es sich um eine Katheterbehandlung mit dem Ziel, den Blutdruck langfristig zu senken. Während des operativen Eingriffs werden Nervengeflechte durch die Applikation von Strom-Impulsen verödet. Das Münchener Isar-Herz-Zentrum berichtet, dass es in Bezug auf den Eingriff nur selten zu schwerwiegenden Komplikationen kommt. Die Verwendung von Röntgenkonstrastmitteln könnte, so das Herz-Zentrum, bei geschädigten Nieren zwar zu weiteren Schädigungen führen, jedoch bestehe die Möglichkeit, bei diesen Patienten ein spezielles Hybrid-Verfahren anzuwenden. Das Herz- und Gefäßzentrum Oberallgäu-Kempten, welches einen wesentlichen Schwerpunkt auf den Bereich der Hypertensiologie (Bluthochdruckbehandlung) gelegt hat, schreibt zudem, dass eine Vollnakose nicht nötig sei und der Patient meist bereits nach einer Nacht nach Hause gehen könne. Körperliche Einschränkungen seien, so das Zentrum, kaum zu erwarten.

Studienergebnisse sorgten für Ungewissheit

Andere Studienergebnisse zur Therapie mit der „renalen Denervation“ stellten die Methode jedoch in Frage. Die Studienergebnisse der sogenannten SYMPLICITY-HTN3 sowie SYPLICITY-FLEX enttäuschten und konnten die Erwartungen zur blutsenkenden Wirkung nicht erfüllen. Doch das Verfahren wurde nicht grundlos in 80 Ländern eingeführt: Zuvor hatten Studien bei der Methode von beeindruckenden Erfolgen berichtet. Wie die Ärztezeitung berichtete, wurden in den besagten Studien Blutdrucksenkungen erzielt, die auch nach drei Jahren noch anhielten. Methodische Schwächen oder kleine Patientenzahlen stellten diese Studien jedoch in Frage. Die Ungewissheit aufgrund der uneinheitlichen Ergebnisse will nun durch weitere Forschungen beseitigt werden. Die Ergebnisse einer „Konsensus-Konferenz“ wurden hierzu kürzlich veröffentlicht.

Neue Zielgruppe im Fokus

Neben technischen und methodischen Aspekten soll in den neuen Untersuchungen, so das Ärzteblatt, eine andere Zielgruppe in den Fokus rücken. Zur klinischen Prüfung wurden bislang Patienten mit einer resistenten Hypertonie, die meist bei älteren Menschen festgestellt wird, herangezogen. Nun wollen die Forscher jüngere Patienten mit einer weniger starken Hypertonie fokussieren. Denn bei diesen Patienten seien die Arterien womöglich empfänglicher für die Effekte der Methode, heißt es. Jedoch bleibt zu klären, so die Ärztezeitung, ob ein invasiver Eingriff bei Patienten, bei denen eine Behandlung auch mit Medikamenten möglich wäre, überhaupt gerechtfertigt sei.