Das erste deutsche Baby aus dem Reagenzglas wird heute 30
Das erste deutsche Baby aus dem Reagenzglas wird heute 30

Zu dieser Zeit war die Geburt des Kindes eine veritable Sensation. Olivers Eltern hatte sieben Jahre lang vergeblich auf Nachwuchs gewartet. Schließlich suchte das Paar Hilfe bei der Universitätsklinik Erlangen und einem Team um Professor Siegfried Trotnow. Was bereits im Jahr 1978 den englischen Mediziner Robert Edwards gelungen war, hatte nun auch in Deutschland Erfolg. Das erste Baby, das durch künstliche Befruchtung entstanden war, wurde geboren und war gesund. Die Presse war natürlich in höchstem Maß an dem ersten Retortenbaby interessiert. Der inzwischen verstorbene Trotnow hat sich an die absurden Aktionen der Reporter erinnert, die manchmal tagelang die Klinik förmlich belagert haben. "Viele Journalisten versuchten, in die Geburtshilfestation zu kommen." Was damals für so großes Aufsehen gesorgt hat, ist heute Routine. Im Normalfall findet eine künstliche Befruchtung in einer ärztlichen Praxis statt.

Die meisten künstlichen Befruchtungen in Europa

Die künstliche Befruchtung ist tatsächlich nicht Außergewöhnliches mehr. Experten gehen davon aus, dass inzwischen weltweit ungefähr vier Millionen Kinder auf diese Weise gezeugt wurden. Nach den statistischen Angaben der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) werden in Europa die meisten künstlichen Befruchtungen durchgeführt, im Jahr 2007 zum Beispiel rund 71 Prozent aller registrierten Verfahren. Die meisten Befruchtungen werden in Frankreich, Spanien, Deutschland und und England gezählt. Dabei stellen Frauen zwischen 30 und 39 Jahren das größte Klientel.  

Ethische Diskussion ist heute leiser geworden

Vor 30 Jahren wurde durch die Geburt des ersten Retortenbabys eine kontroverse Diskussion um medizinische Machbarkeit und ethische Grundsätze losgetreten. Die Frage, ob es der Medizin erlaubt sein sollte, menschliches Leben zu schaffen, wurde überall gestellt. Es wurden Fragen nach geklonten Menschen oder nach möglichen  Missbildungen laut. Vor allem Kirchenvertreter stellten die medizinischen Möglichkeiten in Frage und befürchteten schlimme Folgen für Kinder, die auf diese Weise geboren wurden. Doch all diese Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. "Babys, die aus der Kälte kommen – das sind Kinder, die künstlich hergestellt  worden sind und deswegen nicht so akzeptiert werden oder selbst psychische Probleme haben – diese Bedenken haben sich nicht nachvollziehen lassen und sind empirisch nicht nachweisbar." Zu diesem Schluss kommt Andreas Frewer. Er ist Professor für Ethik in der Medizin an de Universität Erlangen-Nürnberg.

Immer noch großes Medieninteresse  

Das einzige Handicap für die Retortenbabys ist vielleicht das öffentliche Interesse. Oliver lebt völlig zurückgezogen und hat sich immer jedem Kontakt mit den Medien entzogen. Er lebt völlig unauffällig in einem kleinen Dorf in Oberfranken. Auch das weltweit erste Retortenbaby hält nichts von dem Medienrummel, der bei allen Jubiläen wieder einsetzt. Louise Brown ist heute 33 Jahre alt. Die erste künstliche Befruchtung hatte Robert Edwards in Jahr 1978 durchgeführt, der im Jahr 2010 den Nobelpreis für Medizin für seine Arbeit erhielt.

Keine umfassende Hilfe möglich

Die In-Vitro-Fertilisation – so der Fachbegriff für die künstliche Befruchtung – ist heute so normal wie die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft, wie der  Ultraschall oder die Fruchtwasseranalyse. Doch die Reproduktionsmediziner können nicht allen Paaren helfen, die ungewollt kinderlos sind. Bei einem Drittel der Paare gelingt die künstliche Befruchtung nicht. Die Gründe dafür sind noch nicht genau bekannt und sind von individuellen Gegebenheiten geprägt.