Debatte über zu hohe Belastungen im Spitzensport ausgebrochen
Debatte über zu hohe Belastungen im Spitzensport ausgebrochen

Der Herztod des 25-jährigen italienischen Fußballprofis Piermario Morosini während eines Zweitligaspiels schockiert nicht nur in seiner Heimat. Auch in Deutschland ist man betroffen und fragt sich, ob Fußballer möglicherweise einer zu hohen Belastung ausgesetzt sind. Udines Stürmerstar Antonio di Natale forderte deshalb: “Wir müssen weniger und nicht so schnell hintereinander spielen.” Selbst gab der zweimalige Torschützenkönig der ersten italienischen Fußballliga zu, wegen der enormen Belastung im vergangenen Jahr an Rücktritt gedacht zu haben. Es bleibe kaum noch Zeit zur Regeneration. “Fußball ist schön und wichtig, aber wir müssen auch auf unsere Gesundheit achten”, mahnte der 34-Jährige, der einst zusammen mit Morosini zusammen in Udine gespielt hatte.

Genetischer Fehler nicht auszuschließen

Mittlerweile ist der Leichnam des an einem Herzstillstand verstorbenen Morosini obduziert worden. Ein Rechtsmediziner schloss einen Infarkt oder eine Arterienerweiterung aus. Weitere Untersuchungen, auch toxikologische, sollen nun Aufschluss über die Todesursache geben. Der Arzt hält auch einen genetischen Fehler für möglich. Die Beerdigung des Sportlers soll am Donnerstag stattfinden.

Bessere und häufigere Medizintests gefordert

Derweil werden die Rufe nach besseren Medizintests laut. Auch Italiens Sportminister Piero Gnudi sagte: “Ich frage mich, ob die Untersuchungen nicht gründlicher und häufiger sein sollten.” Nach Meinung eines langjährigen Teamarztes sei die medizinische Versorgung in der ersten und zweiten Liga jedoch sehr gut. Im Jugendbereich gebe es allerdings größere Lücken. Trotz aller Vorsorgemaßnahmen bleibe aber auch bei Spitzensportlern immer ein Restrisiko.

Die Statistik zeigt aber, dass sich derart tragische Ereignisse in den vergangenen Jahren nicht häufen. Der Präsident des italienischen Sportärzte-Verbandes, Maurizio Casasco, teilte mit: “Dank der obligatorischen Sporttauglichkeitsprüfung nahm die Zahl der plötzlichen Todesfälle beim Sport in Italien in den vergangenen 20 Jahren um 90 Prozent ab.” In letzter Zeit hat der italienische Fußballverband außerdem 10.000 Personen im Umgang mit Defibrillatoren ausgebildet. Weitere Schulungsmaßnahmen sollen in dieser Hinsicht folgen.

Druck des Millionengeschäfts Profisport auf Sportmediziner

Bereits vor vier Wochen war in England Fabrice Muamba (23), Kicker der Bolton Wanderers, in einem Pokalspiel zusammengebrochen. Er konnte aber wiederbelebt werden und ist mitterweile aus dem Krankenhaus entlassen worden. Auch in Deutschland wird schon über falschen Ehrgeiz von Sportärzten diskutiert, nachdem der Handballverband Holger Glandorf mit einer Kortisonspritze fit für die Testländerspiele machen wollte. Der Flensburger bekam danach eine Infektion, hohes Fieber und musste nun doch erneut an der Ferse operiert werden. Die Bundesliga-Saison ist für ihn gelaufen. Auch viele Ärzte stehen also unter dem enormen Druck des Millionengeschäfts Profisport. Im Vordergrund steht meist nur die schnelle Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit der Spieler.