Depression: Betroffene warten zu lange auf einen Arzttermin
Depression: Betroffene warten zu lange auf einen Arzttermin

Schätzungen zufolge erkrankt fast jeder zehnte Deutsche einmal im Leben an einer Depression. Im Rahmen des ersten Deutschen Patientenkongresses Depression in Leipzig bemängelten Experten nun, dass die Betroffenen häufig deutlich zu lange Wartezeiten beim Facharzt oder Psychologen in Kauf nehmen müssen. Wie der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl, betonte, seien die teilweise monatelangen Wartezeiten völlig inakzeptabel. Niemand der wegen seiner psychischen Probleme nach Unterstützung sucht, sollte derart lange auf einen Arzttermin warten müssen, kritisierte er weiter. Dabei müsse bei der mitunter lebensbedrohlichen Krankheit überall schnelle medizinische Hilfe gewährleistet sein. Der Patientenkongress bot den rund 1.000 Besuchern eine Plattform, um sich auszutauschen und fachkundig zu informieren.

Depressionen im Fokus der öffentlichen Diskussion

Nach Angaben der Stiftung leiden derzeit rund vier Millionen Menschen in Deutschland unter Depressionen. Damit gehört die psychische Erkrankung mittlerweile zu den verbreitetsten Krankheiten bundesweit. Wie die sächsische Landesgesundheitsministerin Christine Clauß erklärte, trage die Veranstaltung auch dazu bei, das Thema Depressionen wieder deutlicher in den Fokus der öffentlichen Diskussion zu rücken.

Ursachen einer Depression sind vielfältiger Natur

Rund fünf Prozent der Bevölkerung weisen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zufolge zudem die typischen Symptome einer Depression wie Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen oder Schuldgefühle auf. Laut Ulrich Hegerl können Depressionen dabei unterschiedlichste Ursachen haben. So gelten beispielsweise Stress, Stoffwechselstörungen oder genetische Veranlagungen als mögliche Auslöser der Erkrankung. Zwar könne Stress das Auftreten einer Depression begünstigen, doch in der Regel habe die Erkrankung wenig mit Leistungsdruck zu tun. Das vermeintliche Entspannen durch Urlaub oder eine Auszeit von der Arbeit helfe daher kaum, “denn die Depression reist mit”, warnt der Experte.

Zahl der Betroffenen auf gleichem Niveau

Dennoch zeigten sich die Experten auf dem Patientenkongress davon überzeugt, dass die Anzahl der Betroffenen insgesamt kaum gestiegen sei. Lediglich die Anzahl entsprechender Diagnosen nehme zu, da immer mehr Erkrankte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, heißt es. Außerdem sei die Depression in der Vergangenheit nicht als solche diagnositiert, sondern hinter Ausweichdiagnosen versteckt worden, so der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe weiter.

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