Depressionen werden zu einer neuen Volkskrankheit
Depressionen werden zu einer neuen Volkskrankheit

Unter Volkskrankheiten versteht man bisher eigentlich so weit verbreitete Leiden wie Diabetes, Bluthochdruck oder Rheuma. Doch bereits seit einiger Zeit sind psychische Krankheiten auf dem Vormarsch. Nach den aktuellen Auswertungen der Barmer GEK erhöhte sich die Zahl der psychisch Erkrankten in den letzten 20 Jahren um 129 Prozent. Im Jahr 1990 mussten noch 3,7 von 1.000 Patienten wegen seelischer Störungen, zum Beispiel wegen eines Burnout-Syndroms in einer Klinik behandelt werden. Im Jahr 2010 waren es bereits 8,5 von 1.000 Patienten. Für den neuen Report wurden die Daten mehrerer Millionen Versicherter aus dem vergangenen Jahr ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass insbesondere sehr viel mehr Patienten mit Depressionen behandelt werden mussten. Seit dem Jahr 2000 stieg die Zahl der Erkrankten um 117 Prozent.

Die neue Volkskrankheit hat sich rasant entwickelt  

“Psychische Störungen sind eine neue, aber verdeckte Volkskrankheit“, sagt Rolf-Ulrich Schlenker, der stellvertretende Vorstandvorsitzende der Barmer GEK. Vor allem die Depression breitet sich immer stärker aus. Die Fakten machen das ganze Ausmaß deutlich: Aktuell müssen 2,3 von 1.000 Versicherten in einer Klinik wegen Depressionen behandelt werden. Vor zehn Jahren waren dagegen nur 1,1 Patienten von 1.000 wegen einer  Depression in stationärer Behandlung. Doch wenn auch die Zahl der psychisch Erkrankten in den Kliniken stark angestiegen ist, so wurde der Aufenthalt in den Kliniken insgesamt nicht in gleichem Maß länger. Der Grund dafür liegt in der geringer gewordenen Behandlungsdauer der psychisch erkrankten Patienten. Im Jahr 1990 musste ein solcher Patient durchschnittlich 45 Tage im Krankenhaus bleiben, doch 20 Jahre später konnte man bereits nach 31 Tagen mit der Entlassung rechnen.

Erschreckend viele Patienten kehren zurück

Besonders auffällig und vor allem besorgniserregend ist die hohe “Rückfallquote”  bei psychischen Erkrankungen. Über zwei Drittel der behandelten und entlassenen Patienten müssen während der ersten zwei Jahre nach der Entlassung aus der Klinik wiederum in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Ein Drittel dieser Patienten kehrt in den ersten 30 Tagen nach der Entlassung wieder zurück. Rund die Hälfte wird im Zeitraum von drei Monaten nach der Entlassung wieder eingeliefert. Man könnte nun annehmen, dass diese vielen Patienten durch die kürzere Dauer der Behandlung nicht ausreichend wiederhergestellt werden konnten und erneut in die Klinik müssen. Doch bereits seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Wiedererkrankungen so gut wie unverändert geblieben. Hier kann also der Grund für die hohen Quoten nicht liegen.

Behandlung im Krankenhaus ist oft keine optimale Lösung

“Es ist beachtlich, in welchem Umfang sich deutsche Krankenhäuser inzwischen um die Versorgung psychisch kranker Menschen kümmern”, sagt Rolf-Ulrich Schlenker. Man müsse sich aber fragen, ob auf dem Hintergrund der hohen Wahrscheinlichkeit einer wiederholten Erkrankung tatsächlich jeder Fall am besten in einem Krankenhaus behandelt werden muss. Offensichtlich gibt es dort nicht immer die optimalen Bedingungen. Die Auswertung der Zahlen ist für die Barmer GEK der beste Beweis, dass auch psychische Erkrankungen ambulant behandelt werden können.

Schlechte Voraussetzungen für die ambulante Behandlung 

Doch hier müssen die Bedingungen verbessert werden. Die Wartezeiten für die ambulante Behandlung nach einem Krankenhausaufenthalt betragen oft bis zu drei Monate. Zudem sollte die Versorgung im Bereich der psychischen Erkrankungen wohnortnah in Teamarbeit stattfinden. Außerdem sollte man stärker den Akzent auf Kurzzeittherapien oder Gruppengespräche legen, was oft effektiver und sinnvoller sei als lange Behandlungen.

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