Der Erreger NDM-1 beschäftigt weiterhin die Welt
Der Erreger NDM-1 beschäftigt weiterhin die Welt

Der mutierte Erreger NDM-1, was für Neu-Delhi-Metallo-Beta-Lactamase steht, hat die Welt mit seiner Resistenz gegen nahezu alle Arten von Antibiotika regelrecht überrascht. Vor allem gegen die Pharmaindustrie wurden nun Vorwürfe laut, sie hätte sich nicht ausreichend auf die Forschung neuer Antibiotika konzentriert. Der erste Todesfall, wahrscheinlich verursacht durch den Superkeim, wurde nun laut Presseberichten aus Brüssel gemeldet. Ein dort lebender Pakistani hatte sich in die Heimat begeben, um dort sein verletztes Bein günstig behandeln zu lassen. Insgesamt sind 40 durch den Superkeim verursachte Krankheitsfälle bekannt. Festgestellt wurde der Keim vor allem bei Menschen aus Großbritannien, Einzelfälle seien jedoch auch in Australien, Kanada, Schweden, den USA und Niederlanden vorgekommen. Auch in Deutschland soll es laut dem Robert Koch-Institut “erste, bisher einzelne Nachweise für NDM-1 bildende Bakterien” geben.

Experten raten von zu großer Panikmache ab

Dass der Superkeim zu einem weltweiten Gesundheitsproblem heranwachsen könnte, stellt eine große Gefahr dar und bedarf einer international strengen Überwachung. Vor zu großer Panikmache rät Klaus-Dieter Zastrow, Chefarzt des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an den Berliner Vivantes Kliniken und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene jedoch ab. Er meint: “Der Keim ist nicht völlig neu. Es handelt sich um einen normalen Darmkeim, nichts Exotisches”.

Herkunft und Gründe des Superkeims

Bei dem sogenannten Superkeim handelt es sich laut Experten um einen mutierten Erreger, der eine starke Resistenz gegenüber nahezu allen Antibiotika entwickelt hat. Ein Vorgänger dieses Keims ist das Bakterium MRSA (Methicillinresistente Staphylococcus aureus), welches ein Klinikkeim ist, der ebenfalls gegen Antibiotika immun geworden ist. Die Ausbreitung dieser Keime erfolgt vorwiegend durch hygienisch nicht einwandfreie Bedingungen in Krankenhäusern. Der Erreger NDM-1 ist Presseberichten zufolge
erstmals bei einem Patienten nachgewiesen worden, der sich zuvor im indischen Raum in operativer Behandlung befand. Des Weiteren seien Indien und Pakistan beliebte Länder, um kostengünstig operative Behandlungen durchführen zu lassen. Experten warnen daher vor sogenannten “Schnäppchen”-Operationen in Ländern mit niedrigeren Hygiene-Standards.

Gründe für mutierte Erreger

Laut Chefarzt Zastrow könne sich der NDM-1 Erreger nur bei Feuchigkeit ausbreiten, anders als das Bakterium MRSA, welches ein sogenannter Trockenkeim ist. Man könne demnach nur über eine offene Wunde mit dem Erreger in Kontakt kommen und so Gefahr laufen sich zu infizieren. Diesbezüglich wäre also die Gefahr der Verbreitung des Superkeims im Gegensatz zum Trockenkeim MRSA deutlich eingegrenzt. Diese können nämlich viele Tage auf Böden oder an Türgriffen überleben. Hinsichtlich der Verbreitung und Weiterentwicklung des Superkeims NDM-1 werden daher als Gründe Hygienemängel in Krankenhäusern, zu großzügige Antibiotikavergabe durch Ärzte und eine nachlässige Handhygiene bei Pflegern und Ärzten genannt.

Maßnahmen zur Vorbeugung von Infektionen

Bezüglich des Umgangs mit dem gefährlichen Superkeim sieht das Robert-Koch-Institut Deutschland bestens vorbereitet. Eine Mutation von Erregern und Entwicklungen von Resistenzen gegen Antibiotika seien nicht ungewöhnlich. Das Robert-Koch-Institut verweist zudem auf das Frühwarnsystem ARS, welches schnell neue Erreger, die sich resistent gegen verschiedene Antibiotika zeigen, erfasse. Gegen eine Verbreitung der Keime könne somit gezielt durch verstärkte Hygienemaßnahmen und abgestimmte Antibiotikatherapien vorgegangen werden. Einer Gefahr der weltweiten Ausbreitung von NDM-1 Errregern solle so wirksam vorgebeugt werden.

Kommentare