Deutsche Kinder haben größere gesundheitliche Probleme
Deutsche Kinder haben größere gesundheitliche Probleme

Die DAK-Studie hat ergeben, dass sich die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Verlauf der letzten zehn Jahre verschlechtert hat. Immer mehr Jungen und Mädchen leiden unter Übergewicht, Depressionen oder Rückenschmerzen. Bei der allgemeinen Beurteilung halten sich negative und positive Aussagen in etwa die Waage. 55 Ärzte sagten, dass sich die Gesundheit seit 2000 verschlechtert hat, 41 Kinderärzte sahen dagegen eine Verbesserung. Vier der befragten Ärzte konnten oder wollten keine Angaben machen. Doch im Detail wendet sich das Blatt. Nahezu alle Ärzte (97 Prozent) gaben an, dass sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Problemen oder mit auffälligem Verhalten erhöht hat. 55 Prozent sahen sogar eine starke Zunahme. Ähnlich sieht die Situation in der Einschätzung der Mediziner beim Übergewicht aus. 95 Prozent der Befragten konstatierten hier größere Probleme, 87 Prozent sahen eine Zunahme von Patienten mit motorischen Schwierigkeiten.

Schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung

Christina Sewekow von der DAK stellte die die Studienergebnisse in Hamburg vor. “Die Einschätzung der Kinderärzte ist alarmierend”, so das Fazit der DAK-Expertin. Nach den Erfahrungen und Diagnosen der Mediziner liegt die größte Bedrohung für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in einer oft vollkommen ungesunden Ernährungssituation. Dazu kommt ein eklatanter Bewegungsmangel, weil entschieden zu viel Zeit vor Computer, Fernseher und Spielkonsole verbracht wird. Die befragten Ärzte machten oft die fehlende Vorbildfunktion der Eltern für die Gesundheitsprobleme verantwortlich. Über 60 Prozent der Ärzte gaben schlechten, zu geringen oder gar keinen Schulsport als Ursache an.

Vorsorgeuntersuchungen in der Kritik

“Wenn sich der Gesundheitszustand der Kinder in den vergangenen zehn Jahren spürbar verschlechtert hat und die Erkrankungen bei einzelnen Diagnosen stark ansteigen, dann muss zum Beispiel das bestehende Konzept der Früherkennung dringend überprüft und notfalls überarbeitet  werden“, sagt Christina Sewekow. Doch es könne nicht darum gehen, einfach die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen zu erhöhen. Es muss also die Qualität der Untersuchungen gesteigert und Einzelaspekte wie Adipositas oder psychische Auffälligkeiten in den Mittelpunkt gestellt werden. “Wichtig ist auch, Eltern und Schule mehr einzubinden”, sagt Frau Sewekow. Allgemein müsse die Gesundheitserziehung in der Bundesrepublik einen höheren Stellenwert bekommen.

Untersuchungen müssen sich neuen Gegebenheiten anpassen

Bereits anlässlich der Jahrestagung der Kinder- und Jugendärzte vom 17. bis 19. Juni in Berlin hatten die Mediziner die Intensivierung von Früherkennungsuntersuchungen gefordert. Das Konzept der aktuellen Vorsorgeuntersuchungen ist 40 Jahre alt. Die heutigen Kinder und Jugendlichen müssen sich mit anderen Problemen auseinandersetzen als die Kinder vor 40 Jahren. Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, hatte ein Umdenken gefordert. Man müsse von der Früherkennung zur Prävention gehen. Der Verband habe dem Gesundheitsministerium bereits vor vier Jahren einen entsprechenden Entwurf vorgelegt.

Weniger Kosten durch Vorbeugung 

Die überkommenen Untersuchungen beschäftigen sich mit den klassischen Kinderkrankheiten. Ein neues Verfahren müsse sich aber besonders mit psychosomatischen Erkrankungen befassen. Das vorhandene Defizit bei Untersuchungen und Impfungen im Grundschulalter muss nach Ansicht des BVKJ-Präsidenten durch gesetzliche Rahmenvorgaben beseitigt werden. In einem neuen Verfahren würde sich die Untersuchungsdauer von 20 auf 30 Minuten steigern und damit die Kosten von 30 auf 50 Euro erhöht werden. Doch die Steigerung der Ausgaben wird sich schnell amortisieren, weil die zukünftigen Mitglieder der Krankenkassen wesentlich gesünder sein werden.