Erneuter Skandal im Klinikum Fulda
Erneuter Skandal im Klinikum Fulda

Es war eine offensichtlich sehr korrekte und aufmerksame Operationsschwester, die diese eklatante Panne bemerkte. Sie erkannte die nicht sterilisierten Instrumente. Wenn die Sterilisierung ordnungsgemäß abgeschlossen ist, verändert sich die Farbe der Siebe, in denen die Instrumente liegen. Doch in Fulda müssen 18 Siebe voller Instrumente zwar gereinigt und desinfiziert worden sein, doch die Sterilisierung der Operationsbestecke wurde versäumt. Die Siebe wurden direkt in den OP-Bereich gebracht. Dort wurden die nicht sterilisierten Instrumente zwischen dem 31. März und dem 05. April  bei mindestens 12 Patienten für Eingriffe benutzt. Die "Fuldaer Zeitung" berichtete, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen habe. Die Ursache dieser neuen Ungeheuerlichkeit ist wahrscheinlich menschliches Versagen, meint der Klinikchef Harald Jeguschke. Es sei ein Fehler eines Mitarbeiters gewesen.

Zwischen Zorn und Hilflosigkeit

Nach dem Skandal im Januar steht die Hygiene im Mittelpunkt des Interesses. "Dementsprechend groß sind Wut und Unverständnis seitens der Belegschaft, dass nun trotz aller Vorsicht Patienten mit nicht keimfreien Besteck operiert wurden", so Jeguschke in dem Gespräch mit der "Fuldaer Zeitung". Der Aufsichtsrat der Klinik soll sich am Wochenende zu einer Sondersitzung treffen. Gerhard Möller (CDU) ist nicht nur Oberbürgermeister in Fulda, sondern auch der Aufsichtsratsvorsitzende. "Als ich davon erfahren habe, schwankten meine Emotionen zwischen Wut und Kopfschütteln", beschreib er seine Empfindungen.

Keine Auswirkungen auf die operierten Patienten  

Auf jeden Fall sollen die Vorgänge in Fulda genau aufgeklärt werden. Bis jetzt scheint es wahrscheinlich, dass zumindest bisher kein Patient in irgendeiner Form Schaden genommen hat. Aktuell aber wird genau überprüft, ob noch mehr Patienten von den Vorgängen betroffen sind. Als erste Maßnahme wurden Vorschriften und Kontrollen verschärft. Zwei Mitarbeiter müssen die Kontrollen durchführen und Protokolle abzeichnen. Bereits nach dem letzten Skandal war eine neue zentrale Sterilisation aufgebaut worden, die Fehlerquellen ausmerzen sollte. Auch wurden andere Chemikalien verwendet. Gelder, die für Investitionen vorgesehen waren, sollten für die Weiterbildung der Mitarbeiter verwandt werden. All das aber konnte den neuerlichen Skandal nicht verhindern.

Grüne verlangen Umsetzung des Hygienegesetzes 

Die Landtagsfraktion der Grünen nimmt den neuen Vorfall zum Anlass, nach dem geplanten Hygienegesetz zu fragen. Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) hatte bereits mehrfach eine neue Hygieneverordnung angekündigt. Die jahrelange "Schlamperei" der Landesregierung im Zusammenhang mit der Hygiene in Krankhäusern sei eine "Gefährdung für die Gesundheit der Patientinnen und Patienten" und schädige zudem den Ruf des Gesundheitswesens in Hessen, so Kordula Schulz-Asche, die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen.

Hygienegesetz des Bundes soll für Klarheit sorgen 

Weil verbindliche Vorschriften fehlen, würde Ängsten und Unsicherheit in der Bevölkerung bei solchen Vorgängen wie in Fulda Vorschub geleistet. Es müssten klare Regeln aufgestellt und ihre Einhaltung überwacht werden. Nur so sei es möglich, zwischen einem Einzelfall und einem strukturellen und generellen Problem in der Krankenhaushygiene zu unterscheiden. Die Möglichkeit zu Hygieneverordnungen auf Länderebene gibt es seit 2002. Doch geschehen sei in Hessen nichts. Die Grünen begrüßen die neue Gesetzgebung auf Bundesebene, "damit Ausreden und Verzögerungen in Hessen nicht mehr funktionieren".