Erster Patient in den USA mit Stammzellen behandelt
Erster Patient in den USA mit Stammzellen behandelt

Bisher haben Forscher nur einigen Ratten mit Verletzungen des Rückenmarkes Stammzellen injiziert. Die Tiere konnten sich daraufhin besser bewegen als vor der Injektion. Doch ob eine solche Behandlung auch beim Menschen möglich ist und vor allem auch erfolgreich sein könnte, ist bisher nicht belegt. In den USA ist nun der erste Patient mit embryonalen Stammzellen behandelt worden. Nach langem Verfahren hatte die amerikanische Gesundheitsbehörde die Studie genehmigt. Aktuell befinden sich die Wissenschaftler an der Klinik in Atlanta in der ersten Studienphase. Zunächst muss geklärt werden, ob eine Injektion mit den Stammzellen tatsächlich sicher und ungefährlich ist. In der weiteren Phase soll es dann um den Verlauf der gesamten Therapie gehen.

Linderung von Verletzungsfolgen   

Dann wird es sich herausstellen, ob die Hoffnungen der Wissenschaftler reale Hintergründe haben. Man hofft darauf, dass sich bei Rückenmarksverletzungen durch die Gabe von Stammzellen die geschädigten Nerven wieder aufbauen lassen. Es könnte so eine dauernde und irreparable Lähmung verhindern werden, Beweglichkeit und das Gefühl in den gelähmten Gliedmaßen könnte zurückkehren. Die Therapie wird nur bei solchen Patienten angewandt, deren Verletzung nicht älter als 14 Tage ist.

Gegner gegen Zerstörung von Embryonen

Wenn die erste Studienphase gut verläuft, so wird die Forschung an den Stammzellen sicherlich positive Verstärkung erfahren. Denn die Wissenschaft hofft, die Zellen auch als Behandlung bei anderen Krankheiten nutzen zu können. Krebs, Parkinson oder Alzheimer könnten vielleicht besser, effektiver und nachhaltiger behandelt werden. Die Gegner der Stammzellentherapien werden sich dagegen kaum über die erste Anwendung der Stammzellen freuen. Sie argumentieren, dass menschliches Leben mit der Befruchtung der Eizelle beginnt. Zur Gewinnung der Stammzellen müssen aber Embryonen zerstört werden.

Forschungsverbot in Deutschland

Auch aus diesem Grund darf in Deutschland nicht an embryonalen Stammzellen geforscht werden. Die Befürworter der Stammzellenforschung machen aber geltend, dass die Embryonen im Labor ohnehin vernichtet würden. Wäre die Forschung erlaubt, könnten die embryonalen Stammzellen Menschen das Leben retten. Es gibt zwar auch Stammzellen in den Organen Erwachsener, doch sind diese Zellen wahrscheinlich weniger flexibel. In den USA gibt es seit 2009 wieder staatliche Unterstützung und Förderung für die Stammzellenforschung.

Hoffnung und Bedenken

Die amerikanischen Wissenschaftler hoffen jedenfalls auf einen Durchbruch in der Forschung. Sie hatten noch nicht so schnell mit einer Genehmigung für eine Studie am Menschen gerechnet. Alle Forscher, die mit den Stammzellen arbeiten und arbeiten wollen, wünschen sich einen Erfolg der Studie. Denn dann könnte die Kritik an der Arbeit mit den embryonalen Stammzellen leiser werden. Doch bei aller Hoffnung gibt es auch kritische Stimmen. John Gearhart ist Stammzellenforscher an der University of Pennsylvania. “Wir müssen unbedingt herausfinden, wie diese Zellen sich beim Menschen verhalten, “ sagte er ein einem Gespräch mit der “Washington Post”. Noch weiß man nicht, ob die injizierten Zellen vielleicht Tumore verursachen. Es ist auch nicht gesichert, dass die Stammzellen an ihrem bestimmten Platz bleiben und sich dort so verhalten, wie man es von ihnen erwartet.