Fettzellen können den Menschen krank machen
Fettzellen können den Menschen krank machen

Eine finnische Zwillingsstudie hat den Wissenschaftlern am VTT Technical Research Centre of Finland nun Aufschluss darüber gegeben, warum der hohe Anteil an Körperfett für das Entstehen des metabolischen Syndroms verantwortlich ist. Die finnischen Forscher untersuchten in einer Langzeitstudie 21 Zwillingspaare aus Finnland. Jeweils einer dieser Zwillingspaare war übergewichtig, der andere schlank. Zwillinge weisen dieselben Gene auf, so dass der Einfluss von erblich bedingten Gegebenheiten ausgeschlossen werden konnte. Die übergewichtigen Zwillinge hatten ihr Gewicht durch ihre Essgewohnheiten gesteigert, noch aber hatte keiner der Studienteilnehmer das metabolische Syndrom entwickelt. Während der Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass die Membranen der Fettzellen der übergewichtigen Zwillinge erhebliche Unterschiede zu den Zellmembranen der schlanken Zwillinge zeigten.

Zu viel Körperfett belastet den Organismus    

Wenn sich das Gewicht eines Menschen erhöht, so bleibt die Anzahl der Fettzellen gleich. Die einzelne Zelle wird nur größer. Die Zellmembranen können sich zwar ausdehnen, gelangen irgendwann aber an eine Grenze. Dann wird das überflüssige Fett in anderen Organen eingelagert und so der Boden für das metabolische Syndrom bereitet. Bei den übergewichtigen Zwillingen fand sich sehr zum Erstaunen der Forscher ein hoher Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in den Zellmembranen, obwohl der Anteil dieser Fettsäuren in ihrer Ernährung eine weniger bedeutende Rolle spielte. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Körper versucht, mit den Fettsäuren die Funktionsfähigkeit der Zellen aufrecht erhalten kann.

Zellmembranen haben unterschiedliche Struktur

Doch spätestens beim Ausbruch des metabolischen Syndroms bricht die Membran zusammen und kann ihre Funktion nicht mehr aufrecht erhalten. Der Zeitpunkt für das "Versagen" der Fettzellen ist offenbar genetisch festgelegt, so die Vermutung der Wissenschaftler. Das wäre eine plausible Erklärung dafür, dass nicht alle übergewichtigen oder fettleibigen Menschen zwangsläufig krank werden. Es gab einen gravierenden Unterschied in der Struktur der Fettzellen bei den schlanken und den übergewichtigen Zwillingen. Bei den Übergewichtigen waren in den Membranen mehr Omega-6-Fettsäuen zu finden als bei den Schlanken, deren Zellwände wiederum einen wesentlich höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren aufwiesen.

Fettsäuren sind Ursache für Entzündungen

Die Omega-6-Fettsäuren könne als Botenstoffe gesehen werden, die im menschlichen Körper Entzündungen auslösen können. Das Immunsystem versucht zu reagieren, kann aber die Fettzellen als eigentlicher Ursache nicht beseitigen. Dann kann die Entzündung chronisch werden. Auf dem hohen Anteil an Fettgewebe kann sich die Entzündung besonders gut ausbreiten und so auch andere Organe befallen.

Ein Gen kann die Struktur der Zellwände verändern 

Die gute Nachricht bei all diesen recht unangenehmen Forschungsergebnissen ist, dass die Forscher bei ihrer Arbeit ein Gen gefunden haben, das für die Ausprägung der Zellmembran verantwortlich ist. So könnte die Möglichkeit bestehen, dass die gesunde und funktionsfähige Struktur der Zellmembran erhalten oder auch wieder hergestellt werden könnte. Mit weiteren Untersuchungen könnten so Therapien entwickelt werden, um die die chronischen Entzündungen aufzuhalten. Damit wären auch Möglichkeiten gegeben, erfolgreich gegen das metabolische Syndrom vorzugehen.