Forscher entdecken gefährlichen Superkeim
Forscher entdecken gefährlichen Superkeim

Wissenschaftler haben einen neuen Superkeim aus Indien entdeckt, der gegen nahezu alle Antibiotika resistent ist. In Großbritannien haben sich bereits 37 Menschen infiziert. Einige davon hatten sich zuvor in Pakistan oder Indien aufgehalten. In den USA wurden bisher drei Fälle gemeldet. Die Forscher befürchten, dass sich der Keim durch den Medizintourismus weltweit ausbreiten könnte. Mit fatalen Folgen: Das Gen mache laut Wissenschaftler Bakterien gegen fast alle Antibiotika resistent. Die Entwicklung eines wirksamen Medikaments gegen den neuen Superkeim sei jedoch in nächster Zeit nicht absehbar. Experten kritisieren nun die Pharmaindustrie, welche die Antibiotika-Forschung seit Jahren vernachlässigen würde. Grund dafür sind die hohen Kosten, welche die Suche nach Medikamenten häufig verursacht. Das zunehmende Auftauchen von Superkeimen erfordere jedoch ein Umdenken in der Pharmabranche. Bisher forschen nur wenige große Unternehmen nach neuen Antibiotika, darunter Pfizer, GlaxoSmithKline und Novartis.

Keim verursacht Resistenz von Bakterien

Britische Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich der neue Superkeim vermutlich durch den zunehmenden Medizintourismus nach Indien verbreitet hat. Indien wird seit einigen Jahren als Reiseziel bei Amerikanern und Briten immer beliebter, um dort billige medizinische Behandlungen zu erhalten. Dabei sind vor allem Schönheitsoperationen gefragt.

Besonders gefährlich ist das neue Gen, da es eine Resistenz bei Bakterien gegen nahezu alle Medikamente auslöst. Ursache dafür ist die Produktion des Enzyms New-Delhi-Metallo-1-Betalactamase (NDM-1). Dabei stelle dieses Enzym ein besonderes Risiko dar und könne zu einem weltweiten Problem werden, so die Wissenschaftler der Universität Cardiff in einer Untersuchung, welche in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde.

Gefahr für Patienten der Krankenhäuser

Das NDM-1-Enzym befinde sich vor allem in bestimmten Krankenhauskeimen, die bei geschwächten Patienten Harnwegs- und Wundinfektionen sowie Blutvergiftungen auslösen können, so Professor Martin Aepfelbacher, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene am Universitätsklinikum Eppendorf. Zwar seien solche Enzyme schon seit Jahrzehnten bekannt, es sei aber alarmierend, dass diese nun von diesen Krankenhauskeimen produziert werden.

Laut Aepfelbacher seien die Bakterien meistens harmlos. Bei Patienten in Krankenhäusern, die bereits geschwächt seien, könnten sie aber heftige Infektionen auslösen. Das Tückische an den Resistenzen ist laut Aepfelbacher zudem, dass sich die resistenten Keime noch besser ausbreiten könnten, sofern Patienten mit Antibiotika behandelt würden, da so alle empfindlichen Bakterien absterben würden.

Medikamente zeigen keine Wirksamkeit

Nach Angaben der britischen Forscher wären selbst hochwirksame Breitband-Antibiotika, die sogenannten Carbapeneme, nicht in der Lage mit NDM-1-Enzym infizierte Bakterien zu vernichten. Laut Experten würden nur zwei Antibiotika zur Bekämpfung der Keime in Frage kommen: Colistin, das jedoch giftige Nebenwirkungen auslösen kann und das Medikament Tygacil vom Pharmahersteller Pfizer.

Pharmaindustrie vernachlässigt Forschung

Der neue Superkeim hat auch eine neue Diskussion über die Pharmabranche ausgelöst. Viele Pharmaunternehmen vernachlässigen die Erforschung neuer Antibiotika, da dies sehr große Kosten verursacht. Für gewöhnlich werden die neuen Medikamente zudem nicht auf den Markt gebracht, sondern für schwere Fälle zurückgehalten. Deshalb fallen die Verkaufszahlen sehr gering aus. Aufgrund der zunehmenden Bedrohung durch Superkeime fordern Experten nun ein Umdenken der Pharmaindustrie. Aktuell forschen nur wenige große Unternehmen nach neuen Antibiotika.

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