Medikamente
Gefahr durch Lieferengpässe bei Medikamenten © panthermedia.net / Andriy Popov

Das Krebsmedikament Melphalan war durch einen Lieferengpass knapp geworden. Durch die Verknappung des wichtigen Medikamentes wurde die Versorgung von Patienten gefährdet. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) ruft Politiker deshalbt eindringlich zum Handeln auf. 

Versorgung der Patienten ist gefährdet

Die DGHO weist in einer aktuellen Pressemitteilung darauf hin, dass der Lieferengpass für das Krebsmedikament Melphalan zwar behoben wurde, das Grundproblem aber dennoch bestehen bliebe. Denn Lieferengpässe seien seit Jahren ein chronisches Problem, heißt es in der Pressemitteilung. Der Ravensburger Krebsspezialist Günter Wiedemann äußerte sich bereits gegenüber dem „Spiegel“ zu dieser Problematik und erklärte, dass bei den Lieferschwierigkeiten des Medikamentes die Gefahr von Todesfällen nicht auszuschließen sei. Melphalan – das Medikament, welches für den dramatischen Lieferengpass sorgte – werde benötigt, um Krebspatienten auf eine Transplantation mit Stammzellen vorzubereiten, durch die es möglich sei, eine Krebserkrankung für eine lange Zeit aufzuhalten. Viele Ärzte zeigten sich angesichts der Situation betroffen, da sie um das Leben ihrer Patienten fürchten mussten.

Warnung der Arzneimittelkommission

Auch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) äußerte sich zum Lieferengpass und wies darauf hin, dass aufgrund des Mangels Eingriffe, die das Leben vieler Menschen retten könnten, auf einen unabsehbar langen Zeitraum hinaus verschoben werden mussten. In der Pressemitteilung heißt es außerdem, dass durch das Beispiel Melphalan erneut deutlich wurde, dass eine rechtliche Regelung in der Arzneimittelversorgung notwendig sei.

Weitere Medikamente sind betroffen

Die AkdÄ beklagte in ihrer Pressemitteilung, dass das Krebsmittel Melphalan, dass in den 1950er Jahren entwickelt und patentiert wurde, nun, da der Patentschutz mittlerweile abgelaufen ist, nicht mehr in ausreichender Menge produziert werde. Es seien nur noch spärliche Vorräte vorhanden. Daher werden Medikamente aus den USA importiert. Bei Melphalan handelt es sich nicht um das einzige Arzneimittel, das angesichts des ausgelaufenen Patentschutzes von Lieferengpässen bedroht ist. Es gibt noch eine Reihe weiterer lebenswichtiger Medikamente, bei denen dieselbe Problematik vorliegt. Auch in der Vergangenheit wurde von Lieferengpässen, etwa bei Impfstoffen, berichtet. Daher haben die AkdÄ und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) bereits eine Mitteilung an den Gesetzgeber herausgegeben, mit der Bitte um den Erlass einer gesetzlichen Maßnahme zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Arzneimitteln.

Forderung nach neuer Regelung

Prof. Mathias Freund, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO, rief die Politik zum Handeln auf. „Wir erneuern unsere Forderung nach einer gesetzlichen Ermächtigung der Behörden, bei Versorgungsdefiziten Maßnahmen zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung zu treffen“, so die Worte des Vorsitzenden laut der Pressemitteilung.