Greenpeace entdeckt belastete Paprika im Supermarkt
Greenpeace entdeckt belastete Paprika im Supermarkt

Die Supermarktkette Lidl hat das fragliche Gemüse nach eigenen Angaben bereits vor der Veröffentlichung der Greenpeace-Untersuchung aus den Regalen aller Filialen genommen. Auch Greenpeace bestätigte, dass die Ware aus den Regalen entfernt worden sei. Eine Gefahr für die Verbraucher besteht also nicht. Die angebotene Ware war mit dem Wachstumsregulator Ethephon belastet, so der Discounter. Aus den betroffenen Filialen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wurde der "Spanische Paprika Mix" zurückgerufen. Greenpeace hatte Anfang Januar 2011 im gesamten Bundesgebiet Paprika gekauft und diese Proben in einem Speziallabor untersuchen  lassen. Um allen Unwägbarkeiten aus dem Weg zu gehen, wurden die Untersuchungen ein zweites Mal durchgeführt. Die ersten Erkenntnisse konnten wiederholt werden. Auch die Supermarktkette Netto hat die betroffene Ware inzwischen aus den Regalen genommen. Aus dem Verbraucherschutzministerium in Baden-Württemberg war zu hören, dass möglicherweise noch mehr verseuchte Ware in den Handel gelangt sei. Eine amtliche Untersuchung soll Gewissheit über die Verbreitung der belasteten Ware bringen.

Rückrufaktionen sind notwendig

Die Untersuchungen haben ergeben, dass die höchsten Belastungen in Filialen von Lidl in Köln, Tengelmann in München und Netto in Bonn gemessen wurden. Von insgesamt 29 untersuchten Proben wiesen drei einen Ethephon-Wert auf, der über dem gesetzlich zugelassenen Wert lag. Greenpeace hat alle Supermarktketten aufgefordert, ihre Ware zu kontrollieren und die belasteten Paprika zurückzurufen.

Stoff wird aus finanziellen Interessen eingesetzt 

Die Auswirkungen einer zu hohen Konzentration von Ethephon dürfen nach den Aussagen des Greenpeace-Experten Manfred Santen keinesfalls unterschätzt werden. Der Wachstumsregulator wird eingesetzt, um biologische Reifeprozesse von Früchten und Gemüse zu kontrollieren und zu steuern. Bei einer zu hohen Dosierung kann es beim Menschen zu Haut- und Schleimhautirritationen kommen. Wenn sehr große Mengen verzehrt werden, so hat Ethephon ähnliche Auswirkungen wie ein Nervengift. Es ist eigentlich unverständlich, dass eine solche Substanz bei der Produktion von Lebensmitteln eingesetzt werden darf. Manfred Santen hat dafür eine Erklärung: Im spanischen Winter werden die Paprika nicht so schnell gelb und rot. Die spanischen Produzenten haben also mit Ethephon nachgeholfen, "um den Paprika Mix in allen drei Farben verkaufen zu können". An den grünen Flecken könne man die belasteten Paprika erkennen, erklärt Santer.

Weitere Prüfungen sind angebracht 

Auch wenn Lidl sich bei der Rückrufaktion den Schutz der Verbraucher auf die Fahne geschrieben hat, sehen sowohl Greenpeace als auch das Verbraucherschutzministerium Baden-Württemberg keinen Grund zu Sorglosigkeit. Selbst wenn die Supermarktketten eigene Prüfungen auf die Unbedenklichkeit ihrer Waren durchführten, so müssten die Ergebnisse öffentlich gemacht werden. Bei Bedarf müssen ebenfalls sofort entsprechende Maßnahmen greifen. Das Verbraucherministerium kann ebenfalls nicht völlig ausschließen, dass belastete Ware auch in anderen Bundesländern verkauft worden ist. Man hat aber die Konsequenzen gezogen und eine gründliche Untersuchung in Gang gesetzt. Ein Ministeriumssprecher kündigte erste Ergebnisse innerhalb der nächsten Woche an.