Große Schwankungen bei der Qualität von Hüftoperationen
Große Schwankungen bei der Qualität von Hüftoperationen

Wem eine Hüftoperation ins Haus steht, der sollte sich möglichst genau überlegen, in welchem Krankenhaus die Operation durchgeführt werden soll. Die Fachleute des Instituts haben untersucht, wie häufig es in den Krankenhäusern zu Komplikationen auch bei Routineeingriffen kommt. Dazu wurden die Daten von 170.000 Patienten und 922 Krankenhäusern herangezogen. Das Ergebnis gibt zum Nachdenken Anlass: Beim Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes treten in jeder zehnten Klinik 80 Prozent mehr Komplikationen auf, als nach der Statistik zu erwarten gewesen wäre. Die Wissenschaftler haben in verschiedenen Kliniken die Art der Komplikationen untersucht, die innerhalb eines Jahres nach einer Hüftgelenksoperation auftraten. Auch hier ein besorgniserregendes Ergebnis: Viele Operationen mussten ein zweites Mal durchgeführt werden, weil unerwartete Probleme das notwendig machten.

Komplikationen sind nie ganz zu vermeiden  

Hüftoperationen sind tatsächlich ein Routineeingriff, der in deutschen Kliniken zehntausendfach durchgeführt wird. Doch auch hier kann es zu Komplikationen wie Brüchen, Thrombosen und Lungeembolien kommen. Das WIdO hat die möglichen Komplikationen zusammengefasst. Wird dieser Index zugrunde gelegt, so treten bei 50 Prozent der untersuchten Krankenhäuser in mehr als 12 Prozent der Fälle solche Komplikationen auf. Bei den besten Kliniken liegt die Quote der auftretenden Probleme bei weniger als 8,8 Prozent. Das schlechteste Viertel der Kliniken schnitt dagegen mit 16,6 Prozent sehr schlecht ab. Das beste Zehntel der Krankenhäuser konnte die rein statistisch zu erwartenden Komplikationen sogar um 44 Prozent unterschreiten.

Informationen zur Qualität sind unerlässlich

"Die Unterschiede können vielfältige Ursachen haben," sagt WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Die Abläufe in den Kliniken seien nicht einheitlich strukturiert und oft nicht ausreichend professionalisiert. Durch das hohe Leistungsgefälle sei es für Patienten sehr wichtig, eine sichere Beurteilung des Krankenhauses zu bekommen. "Patienten, die einen Krankenhausaufenthalt planen, brauchen nicht nur Informationen über den Service eines Hauses, sondern vor allem eine zuverlässige Auskunft über die Qualität der Behandlung," macht Jürgen Klauber deutlich. Zwar gibt es ein AOK-Bewertungsportal für Krankenhäuser bei Eingriffen an der Hüfte, am Knie oder bei Oberschenkelhalsbrüchen, doch eine allgemeine und offizielle Liste über die Qualitäten von Krankenhäusern gibt es nicht.

Mehr Möglichkeiten für Krankenkassen

Deshalb ist eine gute Beratung sehr wichtig. Patienten sollten sich von ihrem Arzt beraten lassen, wenn sie ein Krankenhaus aussuchen müssen, sagt Klauber. Auch sollten organisatorische Änderungen durchgeführt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen müssten in ihren Möglichkeiten gestärkt werden, mit Kliniken individuelle Verträge abzuschließen. So könnten sich die Versicherten gezielt in Kliniken mit guten Beurteilungen und Ergebnissen behandeln zu lassen.

Wettbewerb, Qualität und Bezahlung   

Der Klinikreport 2011 beschäftigt sich über die Untersuchungen der Routineoperationen hinaus deshalb auch mit grundsätzlichen Fragen zum Wettbewerb und dessen Einfluss auf die Qualität. Auch werden Konzepte dargestellt, wie eine Anhebung des Qualitätsniveaus sichergestellt werden könnte. Die Krankenkassen verlangen seit geraumer Zeit die Möglichkeit von Klinik-Vergleichen. Sie wollen nur noch wirklich gute und hochwertige Arbeit honorieren und nicht mehr jede Leistung ungeachtet der Qualität zahlen müssen.