Impfmüde: Nur jeder Vierte gegen Grippe geimpft
Impfmüde: Nur jeder Vierte gegen Grippe geimpft

Die Deutschen sind impfmüde. Wie eine aktuelle Studie von YouGov im Auftrag der dpa ergab, werden sich etwa 67 Prozent der Bevölkerung in diesem Winter nicht gegen Grippe impfen lassen. Erst 26 Prozent der Befragten haben sich die Impfspritze bereits geholt, sechs Prozent planen es in diesem Winter noch zu tun. Experten raten, mit der Immunisierung nicht zu lange zu warten. Bis sich der Wirkstoff vollends entfaltet hat, dauert es circa zehn bis 14 Tage. Angesichts der steigenden Zahl an Influenza-Fällen in Europa werde die Zeit zum Impfen immer knapper. Bisher sind vor allem die Schweiz, Großbritannien, Irland, Norwegen und Dänemark stark von der Grippewelle betroffen. In Deutschland verbreiten sich die Grippeviren zwar nur langsam, die Zahl der Infizierten steigt jedoch stetig. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt besonders chronisch Kranken, Menschen über 60 Jahren, Schwangeren sowie medizinischem Personal eine Grippeschutzimpfung. Hier sei das Risiko einer schweren oder sogar tödlichen Erkrankung größer als bei der Allgemeinbevölkerung.

Keine Angst vor der Schweinegrippe

Wie die aktuelle Umfrage des britisches Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab, hat die Rückkehr der Schweinegrippe nur wenige Deutsche dazu bewegt, sich in diesem Jahr gegen Grippe impfen zu lassen. 21 Prozent der Geimpften beziehungsweise Impfwilligen gab als Grund für die Immunisierung an, sich gegen die Schweinegrippe schützen zu wollen. Der Grippeimpstoff sorgt in diesem Jahr auf für die Abbwehr gegen das Schweinegrippevirus H1N1, welches für einen Großteil der aktuellen Influenzafälle verantwortlich ist. Etwa 64 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, gut über das Thema Schweingrippe informiert zu sein. 22 Prozent sagten hingegen, sie hätten noch Wissenslücken in diesem Bereich. 77 Prozent lassen sich jedoch nicht wegen der Schweinegrippe immunisieren, sondern aufgrund anderer Beweggründe.

Impfungen oft versäumt

Derzeit gibt es in Deutschland keine allgemeine Pflicht zur Impfung gegen gewisse Krankheiten. Mediziner bemerken jedoch seit Jahren, dass die Deutschen oftmals lebenswichtige Auffrischungsimpfungen, wie etwa gegen Kinderlähmung (Polio) oder Tetanus, nicht vornehmen lassen. Das sei vorallem darauf zurückzuführen, dass im Gegensatz zu früher niemand in der Bevölkerung mehr die Schrecken der Krankheiten vor Augen habe, so Prof. Hans Dieter Nothdurft vom Tropeninstitut der Uniklinik München. Erwachsene sollten sich grundsätzlich alle zehn Jahre gegen Tetanus und Diphtherie impfen lassen. Neuerdings sei auch eine Auffrischung gegen Keuchhusten (Pertussis) sinnvoll, so die Empfehlung von Nothdurft. Viele Menschen befürchten unangenehme Nebenwirkungen nach einer Schutzimpfung. Tatsächlich sagten 42 Prozent der von YouGov Befragten, sie hätten Angst vor unerwünschten Wirkungen beim Impfen. 53 Prozent der Interviewten gaben an, keine besonderen Befürchtungen zu haben.

Impflicht erwünscht

Die YouGov-Umfrage zeigte auch, dass die Mehrheit der Deutschen sich zwar für eine allgemeine Impfpflicht ausspricht, jedoch nicht in Bezug auf die Grippe. Insgesamt stimmten 61 Prozent der Befragten für und nur 30 Prozent gegen eine grundsätzliche Impfpflicht. Dabei war die Zustimmung vor allem in Ostdeutschland zu spüren. Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass zu DDR-Zeiten eine allgemeine Impfpflicht bestand.

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