Innovationszentren sollen Nutzen neuer Behandlungen prüfen
Innovationszentren sollen Nutzen neuer Behandlungen prüfen

Für die Prüfung neuer Behandlungsmethoden ist der Gemeinsame Bundesausschuss zuständig.  Im ambulanten Bereich erfolgt die wissenschaftliche Bewertung neuer Methoden vor der flächendeckenden Einführung. Im Krankenhaus dagegen gilt Pfeiffer zufolge der sogenannte Verbotsvorbehalt: "Eine Prüfung des Nutzens durch den Gemeinsamen Bundesausschuss erfolgt – wenn überhaupt – erst lange nach Einführung der Methode. Und dann nur auf Antrag", sagte Pfeiffer im Interview mit der Ärzte-Zeitung. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass etliche Patienten nach Methoden behandelt und operiert werden, deren Nutzen weder in medizinischer noch in wirtschaftlicher Hinsicht bewiesen ist. Die Argumentation für eine schnelle Einführung neuer Methoden stützt sich auf das Argument, dass die Patienten möglichst schnell von neuen Erkenntnissen profitieren sollten.

Neue Methoden bringen häufig keinen Forschritt – im Gegenteil

In den vergangenen zehn Jahren wurde beispielsweise mehr als 6.000 Patienten mit Hilfe von Robotern ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt. Die Begründung für die flächendeckende Einführung dieser Methode lautete, dass die Implantate präziser eingesetzt werden könnten. Studien im Nachhinein ergaben allerdings, dass die Operationen mit Robotern länger dauerten – und somit deutlich teurer waren. Außerdem litten die Patienten häufiger an spezifischen Schmerzen.

Methoden schneller für ambulanten Bereich zulassen

Umgekehrt können Methoden, die bereits lange erfolgreich in Krankenhäusern praktiziert werden, nicht ohne die Überprüfung durch klinische Studien für den ambulanten Bereich zugelassen werden, kritisierte Pfeiffer weiterhin. Mehr als 2,5 Millionen Krankenhausaufenthalte dauern Pfeiffer zufolge nur einen Tag, das könnten bald schon ambulante Fälle sein, appellierte sie an die Krankenhäuser mit Vorbehalten. Eine solche Orientierung der Krankenhäuser sei für deren Zukunft dringend notwendig. "Denn die Investition in die Qualität der eigenen Leistungen ist gleichzeitig eine Investition in die eigene Zukunft."

Experten befürchten Behinderung von Innovationen

Eine Behinderung von Innovationen durch prüfende Studien an Innovationszentren, wie sie Experten befürchten, schließt Pfeiffer aus. Sie glaube, dass Forscherdrang und Innovationen in Krankenhäusern dadurch sogar gestärkt würden. Ihren Vorstellungen zufolge soll ein Ampelsystem die Zulassungen der Methoden steuern, so soll verhindert werden, dass als riskant bewertete Verfahren in die Versorgung gelangen. Als Innovationszentren sollen nicht einzlene Kliniken dauerhaft ausgewählt werden, vielmehr solle die Forschung in jeder kompetenten Abteilung möglich sein. Studien zur Überprüfung von Behandlungsmethoden könnten durchaus parallel an verschiedenen Standorten durchgeführt werden, so Pfeiffer.