Kanadische Studie: Cannabis lindert Schmerzen
Kanadische Studie: Cannabis lindert Schmerzen

Kanadische Forscher der McGill-Universität in Montreal haben in einer neuen Studie die heilende Wirkung von Cannabis untersucht und sind dabei zu einem positiven Ergebnis gelangt. Wie die Wissenschaftler herausfanden, kann die Inhalation von Cannabis zur Verbesserung des Schlafs, zur Aufhellung der Stimmung und besonders zur Linderung von chronischen Schmerzen dienen. Für die Studie wurden 23 Probanden untersucht, die unter chronischen Nervenschmerzen litten. Für die Studie wurden den Patienten in regelmäßigen Abständen Cannabis zum inhalieren verabreicht. Wie das Fachblatt „Canadian Medical Association Journal“ berichtet, hätten bereits drei tägliche Dosen die Schmerzintensität signifikant gelindert.

Weitere Studien trotz Nebenwirkungen

Trotz den positiven Ergebnissen blieben die Untersuchung nicht ohne Nachwirkungen. Einige Probanden klagten über Symptome wie Kopfschmerzen, Taubheitsgefühl, allergische Reaktionen der Haut oder Benommenheit. Trotz dessen wollen die kanadischen Wissenschaftler weitere Studien mit höheren Cannabis-Dosierungen fortführen. Laut den Forschern der McGill-Universität könnte dies besonders für Patienten mit chronischen Nervenschmerzen hilfreich sein, denn diesen stünden nur eine geringe Zahl an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die aber häufig unwirksam seien.

Cannabis gegen chronische Schmerzen

Für die Studie wählten die Forscher zunächst 116 Kandidaten mit typischen chronischen Nervenschmerzen, sogenannten neuropathischen Schmerzen, aus. Zudem mussten die Teilnehmer der Studie mindestens ein Jahr vor dem Beginn der Studie abstinent von Cannabis gelebt haben, um jegliche Restwirkungen oder einen Beikonsum ausschließen zu können. Letztendlich konnten aufgrund der Vorgaben nur 23 Probanden ausgelesen werden.

Das Cannabis für die Studie bezogen die Wissenschaftler der McGill-Universität von einem kanadischen Anbauer medizinischer Hanfpflanzen. Dabei betrug die Konzentration von Tetrahydrocannabinol (THC) der Pflanzen entweder 2,5 Prozent, sechs Prozent oder 9,4 Prozent, also deutlich weniger als bei vielen illegal angebauten Hanfpflanzen. Diese können eine THC-Konzentration von bis zu 20 Prozent aufweisen. Um Vergleichswerte erhalten zu können, verabreichten die Wissenschaftler den Probanden außerdem ein Placebo, bei welchem der THC-Gehalt durch ein spezielles Verfahren vollkommen entzogen worden war. In der Studie wurden die Kandidaten aufgefordert die THC-Dosen über eine handelsübliche Pfeife fünf Tage lang dreimal täglich für fünf Sekunden zu inhalieren. Zudem wurden ihnen in regelmäßigen Abständen das Placebo verabreicht.

Therapeutische Wirksamkeit bestätigt

Das Ergebnis der Studie fiel für die Forscher zunächst ernüchternd aus. Nur das Cannabispräparat mit der höchsten THC- Dosis zeigte eine signifikante Wirkung bei der Schmerzlinderung. Dabei war die Stärke des Effekts jedoch geringfügig. Auf einer Schmerzskala mit elf Punkten schnitt das echte Cannabis mit einer Schmerzlinderung von 6,1 nur um 0,7 Punkte besser ab, als das Placebo, welches eine Schmerzlinderung von durchschnittlich 5,4 erhielt. Zusätzlich fanden die Forscher jedoch heraus, dass sich das Cannabis positiv auf die Schlafqualität auswirkte und Angst sowie Depressionen linderte.

Erhebliche Nebenwirkungen durch Cannabis

Während der Studie traten bei einigen Probanden mitunter heftige Nebenwirkungen auf. Einige Kandidaten klagten über Kopfschmerzen, trockene Augen, Benommenheit, Husten, Taubheitsgefühl und allergische Hautreaktionen. Die Wissenschaftler der McGill-Universität wollen dennoch weitere Studien durchführen und herausfinden, ob höhere THC-Konzentrationen bessere Wirkungen erzielen könnten. Dabei müssten die Dosen jedoch flexibler und länger eingesetzt werden, so das „Canadian Medical Association Journal“. Die Behandlung mit Cannabis kann demnach aufgrund der Erkenntnisse noch nicht in die medizinische Praxis überführt werden.