Kaum noch Schweinegrippe-Fälle in Deutschland
Kaum noch Schweinegrippe-Fälle in Deutschland

Laut aktuellen Daten wurden in der vergangenen Woche bundesweit gerade einmal 69 neue Fälle der sogenannten Schweinegrippe nachgewiesen. Bis zum 02.  März  2010 wurden seit dem vergangenen Jahr etwa 225.828 Infektionen mit der Schweinegrippe gemeldet, von denen 241 tödlich endeten. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) sei die Aktivität der Viren des Typs H1/N1 in Deutschland momentan sehr gering. Nun ist unklar, was mit den überschüssigen Impfdosen passieren soll. Allein in Sachsen-Anhalt wurde nur ein Drittel der Impfrationen genutzt. Laut des Sprechers des Gesundheitsministeriums von Sachsen-Anhalt, Holger Peach, hätten sich nur elf Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Selbst damit sei Sachsen-Anhalt die bundesweite Spitze, denn in den übrigen Bundesländern hätten sich gerade einmal vier bis sechs Prozent der Bevölkerung impfen lassen, erklärte Peach. Ursprünglich sei jedoch eine viel höhere Impfbereitschaft erwartet worden, sagte der Minister.

Zukunft des Impfstoffs ungewiss

Sachsen-Anhalt hatte für den Impfstoff rund 8,45 Millionen Euro bezahlt, von denen zwei Millionen Euro über die Krankenkassen abgerechnet werden konnten. Die Krankenkassen zahlen nur für tatsächlich verabreichte Schweinegrippe-Impfungen. Ob nun Sachsen-Anhalt die restlichen Kosten selber tragen muss, konnte Paech nicht abschließend beantworten. Die Entscheidung, sich für eine große Epidemie zu wappnen sei aber letztendlich richtig gewesen, betonte der Sprecher. Seiner Meinung nach habe Deutschland Glück gehabt, dass es zu keiner großen Welle mit Todesfällen gekommen sei. Holger Peach erklärte, in Niedersachsen führe man Gespräche, um die übrigen Grippemittel international verkaufen zu können. In dem Punkt habe man große Hoffnungen, so Peach. Das Land Niedersachsen hat derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz inne.

Zu viel Impfstoff bestellt

Nach einem wochenlangen Streit zwischen den Bundesländern und den Herstellern der Impfstoffe um den Verbleib der übrigen Impfstoffeinheiten hatten die Unternehmen letztendlich der teilweisen Stornierung der Impfstoffbestellung zugestimmt. Der große Überschuss der Impfstoffe war entstanden, nachdem sich Ende vergangenen Jahres herausgestellt hatte, dass bereits eine Impfung für die Immunisierung gegen die Schweinegrippe ausreicht und nicht, wie bis dahin angenommen, zwei. Außerdem war die Impfbereitschaft der Deutschen deutlich überschätzt.

Millionenverluste drohen

Durch die überflüssigen Impfstoffe drohen den Ländern nun Millionenverluste, sofern sie auf den Wirkstoffen sitzen bleiben. Der gesamte Kaufpreis aller bestellten Impfdosen lag in Deutschland bei etwa 146,5 Millionen Euro. Allein Sachsen-Anhalt droht ein Schaden zwischen zwei und zehn Millionen Euro. Sachsen-Anhalts Gesundheitsminister Nobert Bischoff (SPD) fordert nun eine Beteiligung des Bundes an den Kosten. Die Gesundheitsministerin von Niedersachsen, Ross-Luttmann, unterstützte diese Forderung. Ihrer Meinung nach hätte die Bundesregierung schließlich die Länder immer wieder dazu gedrängt, mehr Impfstoff zu bestellen als ursprünglich geplant.

Keine Kostenbeteiligung durch Bund

Bisher hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) keine Beteiligung des Bundes an den Kosten des überschüssigen Impfstoffs in Aussicht gestellt. Die Bundesregierung verhandle aber mit anderen Ländern über einen Verkauf des Impfstoffs, erklärte Rösler. Hierfür liefen Verhandlungen mit zehn Staaten, sagte des Bundesminister weiter.