Krankenhaus
Das stationäre Qualitätsmanagement muss neu ausgerichtet werden © panthermedia.net / Arne Trautmann

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser ist alarmierend. Auch die Qualität stationärer Behandlungen soll darunter leiden. Angesichts der Situation gibt die Unternehmensberatung Roland Berger in ihrer Studie Handlungsempfehlungen, um diesen Defiziten mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken.

Defizite in der stationären Versorgung

Wie der Krankenhaus Rating Report auf der Grundlage von über 600 Bilanzen von rund 1.000 Krankenhäusern ermittelte, schreibt jede dritte Klinik in Deutschland rote Zahlen. Durch die finanziellen Belastungen bleibe, so die Autoren der Studie “Qualitätsorientierte Vergütung im Krankenhaussektor: Die richtigen Anreize schaffen – Qualitätsdefizite in der stationären Versorgung beheben“ von der Unternehmensberatung Roland Berger, wenig Spielraum für einer Verbesserung der Qualität der Behandlungen. Deutschland sei dadurch in diesem Bereich im europäischen Vergleich von Platz drei (2005) auf Platz neun (2013) gerutscht. „Die finanzielle Schieflage erschwert den Krankenhäusern Qualitätsdefizite aus eigener Kraft zu überwinden“, so die Autoren. Besonders die Heterogenität bei der Ergebnisqualität der Krankenhäuser ist nach den Studiendaten bedenklich. Ein Beispiel: Während die Mortalitätsrate im besten Viertel bei 13 Prozent lag, war sie im schlechtesten Viertel bei 25 Prozent und damit fast doppelt so hoch. Gründe hierfür könnten, so die Autoren, die fehlende Qualitätstransparenz, fehlende Anreize zur Qualitätsverbesserung oder eine mangelhafte Kontrolle der Qualität sein.

Qualität messen – eine Herausforderung

Das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) will hier ansetzen und helfen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe führte hierzu aus: „Mit dem Krankenhausstrukturgesetz werden wir die Finanzierung der Krankenhäuser deutlich verbessern.“ Ein wesentlicher Schwerpunkt der Ansatzpunkte des Gesetzes, das zum 1. Januar 2016 in Kraft treten soll, liegt bei der Qualität. Denn in Zukunft sollen Qualitätsaspekte mit der Krankenhausvergütung in Form von Zuschlägen oder Abschlägen für Leistungen verbunden werden. Für dieses System einer qualitätsorientierten Vergütung weisen die Autoren von Roland Berger auf Herausforderungen hin. Es müsse beachtet werden, dass sich Qualität nie direkt messen lasse. Vielmehr seien die verwendeten Indikatoren entscheidend. Außerdem sei eine Selektion nach Qualität erforderlich. Aspekte wie Nähe oder Komfort spielten schließlich eine entscheidende Rolle bei der Wahl eines Krankenhauses (Wie eine zusätzliche Absicherung hier unterstützen kann). Die Patientenzufriedenheit müsse, so die Autoren, unbedingt eingebunden werden.

Qualitätsmanagement in Arztpraxen und Praxisnetzen

Die bisher existierenden Indikatorensysteme zur Qualitätssicherung seien, den Autoren zufolge, nur bedingt geeignet. Es müssten neue Indikatoren für das System geschaffen werden. Für das Qualitätsmanagement in Arztpraxen und Praxisnetzen gibt es diese Systeme mit Qualitätsindikatoren bereits. Das System QISA, entstanden aus einer Zusammenarbeit zwischen AOK-Bundesverband und dem Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA), hilft Ärzten dabei, die Qualität ihrer medizinischen Arbeit bei der ambulanten Versorgung messbar zu machen. Das damit verbundene Handbuch besteht aus 15 Bänden und ist sortiert nach Versorgungsbereichen und häufigen Krankheiten. Bereits seit 2009 bietet die AOK den Praxen das System an. Für den Bereich Arztnetze wurde ein weiteres Indikatorensystem geschaffen: „Qualität in Arztnetzen – Transparenz mit Routinedaten“ (QuATRo). Das System baut ebenfalls auf den QISA-Indikatoren auf und ermöglicht einen Vergleich der Versorgungsqualität in Praxisnetzen. Die Einführung dieser Systeme ist wertvoll, da es nur durch Transparenz zu Erkenntnissen und damit auch zu Verbesserungen in der Versorgung kommen kann.