Krankenstand steigt wegen psychischer Erkrankungen an
Krankenstand steigt wegen psychischer Erkrankungen an

Im selben Zeitraum 2008 lag diese Zahl bei 3,8 Prozent, im Jahr 2007 bei 3,7 Prozent. Auf das gesamte Jahr 2008 gesehen war statistisch gesehen jeder Arbeitnehmer 13,4 Tage lang krank. Derartig hohe Ausfallzeiten konnten zuletzt vor sechs Jahren festgestellt werden. Der Stand der gesamten Krankheitstage war im Jahr 2006 mit 12,4 Tagen so niedrig wie in den vorherigen 30 Jahren nicht mehr. Die Gründe für die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit sind vielfältig. Die häufigste Ursache konnte mit Muskelerkrankungen oder Erkrankungen des Skeletts benannt werden. Sie machten zu 26 Prozent die Ursachen aus, während Probleme der Atemwege zu 16 Prozent, Verletzungen mit 14 Prozent ursächlich für die Erkrankungen waren. Gleich danach folgen als Krankheits- und damit Arbeitsunfähigkeitsursache psychische Erkrankungen. Sie sind für den steilen Anstieg der Krankheitstage in der Statistik verantwortlich.

Anfällige Psyche 

In den Statistiken sind die psychischen Erkrankungen Newcomer. Vor rund 30 Jahren gab es kaum Arbeitsunfähigkeiten aus solchen Gründen. Der aktuelle Anteil von zehn  Prozent bedeutet vor allem eine Zunahme von depressiven Erkrankungen und Angstzuständen. Der Anteil der weiblichen Versicherten mit Depressionen liegt bei 20 Prozent, bei den Männern über 50 Jahre sind es 10 Prozent. Doch der Grund für diese Zunahme liegt auch an der intensivierten Diagnostik und der verstärkten Dokumentation der Mediziner. Hervorstechend ist die Tatsache, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen bei Arbeitslosen sich innerhalb der letzten vier Jahre verdoppelt hat.

Betroffene und Berufe

Seelische Probleme hielten vor allem Telefonistinnen, Sozialarbeiterinnen und Krankenpflegerinnen von ihrer Arbeit ab, bei den Männern hatten vorrangig Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Krankenpfleger, aber auch Fahrer von Schienenfahrzeugen entsprechende Probleme. Doch sogar bei Berufszweigen, die insgesamt gesehen eigentlich niedrige Krankenstände aufweisen, liegen die Krankentage wegen psychischer Leiden drei Prozent höher als der Durchschnitt. Das betrifft die Informatikbranche, das Kredit- und Versicherungswesen sowie Medien und Verlage.

Manager werden anfälliger

Auch in den Führungsetagen halten die seelischen Erkrankungen Einzug. Der allgemeine Trend geht zwar dahin, dass Manager und Ingenieure auf das gesamte Jahr gesehen ein paar Krankheitstage weniger haben als gewerbliche Mitarbeiter. Doch auch die Bezieher höherer Einkommen mit großer Qualifikation sind immer öfter krank. Wer freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, dessen Krankheitstage haben sich 2009 um einen halben Tag erhöht. Auch bei dieser Personengruppe machen die Analysen der Ursachen deutlich, dass die seelischen Leiden überdurchschnittlich zugenommen haben.

Zahlenspiele

Die Betriebskrankenkassen kritisieren die Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) vom Juli 2009. Danach gab es zu diesem Zeitpunkt ein Rekordtief der Krankenstände in den Firmen, nämlich im ersten Halbjahr 2009 nur 3,24 Prozent Fehltage. Doch die spectrum|K GmbH hält diese Zahlen für nicht korrekt. Das Gemeinschaftsunternehmen der Betriebskrankenkassen gibt zu bedenken, dass die Grundlage der BMG-Zahlen die Werte einer stichtagsbezogenen Auswertung sind. Hier werden nur die Krankenstände erfasst, die am Anfang des Monats gemeldet werden. Die Betriebskrankenkassen jedoch errechnen die monatlichen Durchschnittswerte. Im Jahr 2008 wurden die Gesundheitsdaten von 6,5 Millionen Menschen mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erfasst und aufgeschlüsselt. Die entsprechende Analyse kann deshalb als repräsentativ gelten.