Krankenversicherung: Dicke und Raucher sollen mehr zahlen

Krankenversicherung: Dicke und Raucher sollen mehr zahlen

Leonhard Kuckart, Stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU-angegliederten Senioren-Union, regte an, Personen mit Übergewicht und Raucher in der Krankenversicherung und der Pflegeversicherung stĂ€rker zur Kasse zu bitten. Angesichts immer weiter steigender Kosten fĂŒr Pflege und Gesundheitsversorgung mĂŒsse eine gesunde Lebensweise stĂ€rker in das Bewusstsein der Menschen gebracht werden. Wer gesund lebt, mĂŒsse von den Krankenkassen im Sinne der PrĂ€vention stĂ€rker gefördert werden. Im Gegenzug mĂŒssten Menschen mit ungesunder Lebensweise durch RisikozuschlĂ€ge und höhere BeitrĂ€ge zur Krankenversicherung selbst Verantwortung fĂŒr ihre Gesundheit ĂŒbernehmen. Dies sei nach Ansicht Kuckarts sinnvoller als immer mehr Geld in das Gesundheitssystem zu pumpen.

RisikozuschlÀge in der Krankenversicherung

Im Bereich der privaten Krankenversicherung sind RisikozuschlĂ€ge nichts außergewöhnliches. Menschen mit Vorerkrankungen bei Versicherungsbeginn zahlen höhere BeitrĂ€ge. Allerdings fĂŒhren Krankheiten, die wĂ€hrend des VersicherungsverhĂ€ltnisses auftreten, nicht zu höheren BeitrĂ€gen. Gesetzlich Versicherte mit einer privaten Zusatzversicherung mĂŒssen ebenfalls RisikozuschlĂ€ge zahlen.

Keine neue Idee

Bereits frĂŒher wurden Stimmen laut, die höhere BeitrĂ€ge zur Krankenversicherung fĂŒr Übergewichtige und Raucher fordern. Dieser Vorschlag kommt vor allem aus dem politisch konservativen Lager und wird meist aus GrĂŒnden der Gleichbehandlung abgelehnt. Auch innerhalb der Gesellschaft stoßen solche VorstĂ¶ĂŸe eher auf Ablehnung. Gesundheitsexperten halten ebenfalls wenig von einem System der Bestrafung. Dagegen kann eine Belohnung fĂŒr gesundes Verhalten eher zielfĂŒhrend sein. Bereits jetzt fördern die Krankenkassen gesunde ErnĂ€hrung, Bewegung und Sport.

Bereits der sĂ€chsische CDU-Landtagsabgeordnete Marco Wanderwitz forderte im Sommer letzten Jahres höhere KrankenkassenbeitrĂ€ge fĂŒr Übergewichtige. Seiner Ansicht nach lebt diese Personengruppe “bewusst ungesund”. Auch er argumentierte, dass die Kosten fĂŒr die Behandlung von medizinischen Problemen durch Übergewicht nicht der Solidargemeinschaft aufzuerlegen seien.

Kosten durch Übergewicht

GĂŒnter Neubauer vom Institut fĂŒr Gesundheitsökonomik geht davon aus, dass jĂ€hrlich Kosten in Höhe von 30 Milliarden Euro durch Übergewicht verursacht werden. Diese SchĂ€tzung basiere auf Zahlen des Robert-Koch-Institutes, so Neubauer. Aber er macht auch deutlich, welche problematischen Folgen ein höherer Krankenkassenbeitrag fĂŒr bestimmte Personen mit sich bringen wĂŒrde. Die erforderliche BĂŒrokratie sei nur ein Problem. Außerdem wĂŒrde die Diskussion ohnehin ins Leere laufen, denn: Wo fĂ€ngt ungesunde Lebensweise an? Auch wer Alkohol trinkt oder Extremsportarten betreibt, mĂŒsse demnach ebenfalls stĂ€rker zur Kasse gebeten werden. Von der EinschrĂ€nkung der persönlichen Freiheit mal ganz abgesehen.

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Ich bin als Online-Redakteurin fĂŒr das 1A Verbrauchermagazin tĂ€tig und habe mich auf Themen der demografischen Entwicklung wie Altersvorsorge und PflegebedĂŒrftigkeit und Leben im Alter spezialisiert.