Krebs in Deutschland - In jeder Minute eine böse Diagnose
Krebs in Deutschland - In jeder Minute eine böse Diagnose

Diese Zahlen wurden kurz vor dem Beginn des Deutschen Krebskongresses veröffentlicht, der vom 24. bis 27. Februar 2010 in Berlin stattfindet. Der häufigste Krebs bei Männern ist der Prostatakrebs, bei Frauen der Brustkrebs. Dabei ist bei älteren Menschen ein erhöhtes Krebsrisiko festzustellen. Die letzten gesicherten Zahlen stammen aus dem Jahr 2006. Nach einer Analyse dieses Materials hat sich seit dem Jahr 1990 die Zahl der neuen Krebserkrankungen um fast 30 Prozent erhöht. Nach Geschlechtern aufgeteilt ist die Erkrankungskurve bei den Männern um 45 Prozent, bei den Frauen um 14 Prozent angestiegen. Der Grund für diese eklatante Erhöhung ist die demografische Entwicklung. Auch die Auswirkung des Zweiten Weltkrieges spielen eine Rolle, denn durch die Toten und Gefallenen gab es sehr viel weniger Männer, die das entsprechende Alter erreichen konnten. Doch jetzt kommen die Kinder aus der Zeit des „Babybooms“ in das Alter ab 60, ein Risikoalter für Krebserkrankungen. 

Teure Krankheiten

Wie immer geht es auch bei den Krebserkrankungen massiv um finanzielle Probleme. Denn die steigende Zahl der Krankheiten provoziert natürlich auch sehr hohe Kosten. Von 2002 bis 2006 sind die Kosten für Krebsbehandlungen auf die stattliche Summe von 14,6 Milliarden Euro angewachsen, eine Steigerung um 28 Prozent. Die Gründe für diese Kostensteigerungen liegen nicht nur in der hohen Zahl der Erkrankungen, sondern resultieren auch aus den besser und effektiver gewordenen Behandlungsmethoden. Neu entwickelte Medikamente und Chemotherapien können ein Leben um viele Jahre verlängern, doch hat das auch eine Kehrseite auf der Kostenseite.

Analyse senkt Kosten 

Der Präsident des Krebskongresses, der Onkologe Prof. Dr. Wolff Schmiegel, setzt sich mit der Kostenbegrenzung bei Krebserkrankungen auseinander. Er will mit speziell auf den jeweiligen Patienten zugeschnittenen Therapien zur Senkung der Ausgaben beitragen. Bevor eine Behandlung überhaupt angefangen wird, muss nach seiner Auffassung eine molekularbiologische Untersuchung aufzeigen, welche Therapien für den Patienten geeignet sind. Bei der Brustkrebsbehandlung werden solche Analysen bereits angefertigt, die dann die wirksamste Behandlung dokumentieren. Doch besteht offensichtlich ein eklatanter Mangel an entsprechenden Studien und Untersuchungen, die ohne Zutun der Pharmahersteller zustande gekommen sind. Auch wird der bereits spürbare Ärztemangel in Deutschland zu einem Defizit an Krebsspezialisten führen.

Schädlicher blauer Dunst 

Im Überblick sind die Zahlen der Erkrankungen nur wenig anders geworden. Die Männer haben immer noch am häufigsten mit Prostatakrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs zu tun. Bei den Frauen sind es Brustkrebs, Darm- und Lungenkrebs. Die Veränderungen liegen im Detail. Im Jahr 2006 gab es zum Beispiel 1.400 Frauen mehr als im Vergleichsjahr 2004, die an Lungekrebs erkrankten. Spezialisten gehen davon aus, dass der vermehrte Tabakkonsum bei den Frauen dafür die Ursache ist. Allgemein gesehen ist das Tabakrauchen für fast ein Drittel aller Todesfälle durch Krebs verantwortlich.

Nicht nur höhere Gewalt

Die Steigerung der neu entdeckten Prostata- und Brustkrebsfälle könnte ihre Ursachen in der verbesserten Früherkennung haben. Im Allgemeinen ist die Überlebensrate gestiegen. Das gilt für Prostata- und Hodenkrebs sowie für Hautkrebs. Die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs hat zu langen Überlebenszeiten geführt. Auch beim Darmkrebs ist die Sterblichkeit rückläufig. Weniger positiv sieht die Bilanz beim Lungenkrebs aus, und der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist weiterhin ein hochgefährlicher Tumor. Aber es gibt auch eine positive und zuversichtliche Perspektive, die Wolff Schmiegel aufzeigt. Krebs muss kein unabwendbares Schicksal sein. Das Risiko einer Krebserkrankung kann durch angemessene, gesunde Ernährung und ein gutes Maß an Bewegung bedeutend kleiner gehalten werden.