Pilz
Vergiftung durch Pilze - eine bestehende Gefahr © panthermedia.net / Markus Schlegel

Ein 44-jähriger Mann, der nach dem Verzehr von Knollenblätterpilzen mit Vergiftungserscheinungen in die Uniklinik Münster eingewiesen worden war, verstarb dort am vergangenen Dienstag. Der Rumäne ist bereits das zweite Todesopfer innerhalb weniger Tage, das an einer Pilzvergiftung starb.

Lebertransplantation konnte nicht helfen

Der 44-jähriger Rumäne hatte vorvergangene Woche Donnerstag mit Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen die Notaufnahme der Uniklinik Münster aufgesucht. Wie sich herausstellte, hatte der Betroffene selbst gepflückte Knollenblätterpilze gegessen, deren Gift Leber und Nieren schädigt und zu Organversagen führen kann. Zwar wurde bei dem Mann noch eine Lebertransplantation vorgenommen, doch der Vergiftungsprozess war bereits zu weit fortgeschritten, sodass er bald darauf verstarb.

Mehr als 30 Fälle innerhalb kurzer Zeit

Im Bereich Hannover wurden in jüngster Zeit mehr als 30 Patienten behandelt, die sich durch den Verzehr von Pilzen vergiftet hatten. Bei den Betroffenen handelte es sich um Flüchtlinge und Asylsuchende. Erst am vergangenen Montag starb ein 16 Jahre alter Syrer im Uniklinikum Münster an den Folgen einer Pilzvergiftung. Die einzige Möglichkeit, ihn zu retten, sei eine Lebertransplantation gewesen, erklärte der Leiter der Klinik für Transplantationsmedizin, Professor Schmidt. Jedoch habe kein geeignetes Organ zur Verfügung gestanden, sodass der Jugendliche an einem akuten Leberversagen verstarb. Der junge Syrer hatte zusammen mit seiner Familie Knollenblätterpilze gesammelt und gegessen. Auch die anderen Familienmitglieder mussten medizinisch behandelt werden, konnten jedoch mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Pilze ähneln Champignons und Eier-Wulstlingen

Die giftigen Knollenblätterpilze ähneln den im osteuropäischen und Mittelmeerraum weit verbreiteten Eier-Wulstlingen und Champignons. Carola Seidel, Oberärztin der Gift-Informations-Zentrale Bonn, erklärte, dass das Sammeln von Speisepilzen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge und Asylsuchenden weit verbreitet sei. Aus Unwissenheit pflücken sie hierzulande die auf den ersten Blick identisch aussehenden Knollenblätterpilze, was zu verheerenden Folgen führt.

Plakate warnen vor Gefahr

Die Medizinische Hochschule Hannover warnt vor der Gefahr und hat mehrsprachige Aufklärungsplakate entworfen, die Symptome der Vergiftung beschreiben. Die Plakate werden per E-Mail in die ganze Bundesrepublik verschickt und sollen in möglichst vielen Flüchtlingsunterkünften aufgehängt werden. Wolfgang Prüfert, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, unterstreicht, dass unbedingt das Risikobewusstsein der Flüchtlinge geschärft werden muss, um weitere fatale Vergiftungen durch Verwechslungen von Pilzen zu verhindern.