Mehrheit in Deutschland nicht zufrieden mit Krisenmanagement
Mehrheit in Deutschland nicht zufrieden mit Krisenmanagement

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins "Stern" hat gezeigt, dass die Deutschen den Politikern einen wenig professionellen Umgang mit der EHEC-Epidemie bescheinigen. Mehr als die Hälfte der Befragten verteilten schlechte Noten. 35 Prozent hielten das Krisenmanagement für "weniger gut", 23 Prozent sogar für "schlecht". Die positiven Beurteilungen hielten sich in Grenzen. Rund 35 Prozent bewerteten den Umgang mit dem Darmbakterium mit "gut", und nur vier Prozent vergaben die Note "sehr gut" an die Politiker. Auch wurde nach den Essgewohnheiten in der Krise um das Bakterium gefragt. Danach haben 58 Prozent der Befragten auf bestimmtes Gemüse verzichtet. Frauen waren dabei offensichtlich sensibler, denn ihr Anteil lag bei 65 Prozent, während nur 50 Prozent der Männer auf bestimmte Gemüsesorten verzichteten. Immerhin 40 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage haben sich öfter als gewöhnlich die Hände gewaschen.

EHEC-Fälle auch in der Europäischen Union  

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bekannt gegeben, dass der Darmkeim nicht nur in Deutschland sein Unwesen treibt. In 13 europäischen Ländern wurden bisher 16 Fälle von EHEC-Infektionen und 36 Fälle des HU-Syndroms bekannt. In Schweden starb ein Mann an den Folgen der Infektion, und auch in den USA gibt es einen Fall mit HUS. Fast alle diese Menschen haben sich in Deutschland aufgehalten. Die genaue Aussage über die Spätfolgen ist nach Ansicht von Professor Rolf Stahl vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf noch nicht möglich. "Die Einschätzung, ob und wie stark die Nierenfunktion eingeschränkt sein wird, dauert Monate", so der Nierenspezialist.

Bauernhof in Hessen geschlossen

Inzwischen ist der erste Bauernhof in Hessen geschlossen worden. Bei einer Routinekontrolle hatten die Kontrolleure das Bakterium auf einer Probe feststellen können. Zwar gehörte der gefundene Erreger nicht dem aggressiven Typ an, der die schweren Erkrankungen ausgelöst hat. Doch durch die ausgedehnten Kontrollen ist auf Salat von diesem Erzeuger ein EHEC-Erreger gefunden worden, der bereits bekannt war und Durchfall auslösen könne. Nun werden die Wege untersucht, wie der Keim auf den Salat gekommen ist. Es wurde ein Brunnen gesperrt, der die Reinigungsmaschinen des Hofes mit Wasser versorgt. Über dieses Wasser könnte der Darmkeim auf den Salat gelangt sein.

Psychische Auswirkungen können gravierend sein  

Bei all den notwendigen Aktivitäten und der Sorge um die körperliche Gesundheit der Opfer der Infektionen gerät die psychische Dimension der Epidemie oft in den Hintergrund. Psychologen und Seelsorger müssen oft ihre ganze Kraft einsetzen, denn auch die Psyche kann von den Folgen der Infektionen in Mitleidenschaft gezogen werden. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa machte der Psychologe Frank Schulz-Kindermann klar, dass die Betroffenen Ängste entwickeln können. Auch depressiven Verstimmungen oder Panikattacken seien durchaus möglich.

Hilflosigkeit löst Unsicherheit aus   

Grund dafür ist nach seiner Erfahrung die völlige Hilflosigkeit und der Kontrollverlust. "Viele Patienten waren junge, kerngesunde, gesundheitsbewusste Menschen, die mitten im Leben standen – im nächsten Moment erlebten sie sich als schwer krank." Unsicherheit und Angst waren für viele die Folge. Auch für Arzte und Pflegepersonal war die große Zahl der jungen Patienten und ihrer Angehörigen eine große Herausforderung. Erstaunlicherweise seien die meisten Patienten stabil geblieben, Ärzte und Pflegepersonal hätten sich "bewundernswert professionell, hochengagiert und kooperativ" verhalten.