Nanopartikel könnten Krebstherapie deutlich verbessern
Nanopartikel könnten Krebstherapie deutlich verbessern

Schon früher versuchten Wissenschaftler Nanopartikel zur Behandlung von Krebserkrankungen einzusetzen. Die bisherigen Versuche scheiterten, weil die winzigen Transportkapseln stets vom Organismus als Fremdkörper erkannt und dementsprechend vom jeweiligen Immunsystem bekämpft wurden. Nun ist US-Wissenschaftlern von der San Diego University in Kalifornien jedoch ein Vorstoß gelungen: Sie entwickelten eine Methode, mit der entsprechende Medikamente zu den geschädigten Zellen transportiert werden können,  ohne dass der Organismus sie bekämpft. Grund dafür ist eine bestimmte Hüllmembran aus roten Blutkörperchen, die wie eine Art Tarnmantel wirkt. Veröffentlicht haben die Forscher rund um Liangfang Zhang ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins “Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS).

Nanopartikel als getarnte Transportkapseln

Die neuartigen winzigen Transportkapseln können deutlich länger im Körper verbleiben, weil die Immunabwehr die Nanopartikel nicht mehr von den Blutzellen unterscheiden kann, berichten Liangfang Zhang und ihre Kollegen. Zuvor hatten die Wissenschaftler Blutzellen zum Platzen gebracht und die leeren Zellhüllen mit Nanopartikeln von rund 70 Nanometer Durchmesser (1 Nanometer = ein millionstel Millimeter) vermischt.

Erste Erfolge in Tierversuchen

Für ihre Studie hatten die Forscher das neue Verfahren in Tierversuchen an Mäusen getestet. Das Ergebnis: Die Nanopartikel blieben nach der Injektion drei Tage lang im Blut der Mäuse nachweisbar, wohingegen die Verweildauer bei den synthetischen Transportvehikeln nur wenige Stunden betrug, berichten die US-Forscher im Fachmagazin PNAS. Zudem betonten die Autoren, dass ihre Untersuchung der erste Versuch sei, „eine Verabreichungsform für Medikamente zu entwickeln, die eine natürliche Zellmembran mit einem synthetischen Nanopartikel kombiniert“. Um eine verfrühte Freisetzung der Wirkstoffe im Körper zu verhindern, haben die Wissenschaftler die Transportkapseln zusätzlich mit spezifischen Bindeproteinen versehen, die ausschließlich an den Krebszellen andocken.

Einsatz auch beim Menschen möglich

Um die Methode auch im menschlichen Organismus anwenden zu können, müssten die Tarnhüllen der Nanopartikel jedoch direkt aus den Membranen der roten Blutkörperchen des jeweiligen Patienten hergestellt werden, damit sie nicht vom Immunsystem abgestoßen werden. Nach Aussage der US-Forscher reiche dafür jedoch eine kleine Blutprobe.

Verbesserung der Chemotherapie

Durch die neuartige Methode würde in Bezug auf die Chemotherapie die Schädigung gesunder Zellen minimiert und gleichzeitig sinke das Risiko von Nebenwirkungen, heißt es weiter. Da die Wirkung zudem lokal begrenzt sei, könne mit wesentlich höheren Konzentrationen gearbeitet werden. Auf diese Weise könnte mit Hilfe des neuen Verfahrens nicht nur die Effektivität der Chemotherapie deutlich verbessert werden, sondern gleichzeitig würde auch das Risiko von Resistenzen minimiert, so das Fazit von Liangfang Zhang und seinen Kollegen.