Gehirn
Laser identifizieren krebskrankes Hirngewebe © panthermedia.net / Oliver Sved

Die Entfernung eines Hirntumors ist eine komplizierte Operation. Besonders erschwerend ist, dass der Chirurg nicht zweifelsfrei erkennen kann, ob es sich um erkranktes Gewebe handelt. Immer wieder müssen Proben entnommen und getestet werden. In London wurde nun erstmals eine neue Technik angewandt. Mittels Lasertechnik konnte das kranke Gewebe vom gesunden unterschieden werden.

Vorteil bei der Geschwindigkeit

Während bisher viel Zeit verloren ging, bis das Untersuchungsergebnis der entnommenen Gewebeproben vorlag, können die Neurochirurgen nun sofort entscheiden, wo geschnitten werden muss. Möglich macht dies die Raman-Spektroskopie, mit der die Lichtreflexionen des Laserstrahls ausgewertet werden. Eine Operation am Gehirn ist heikel, denn jeder Schnitt kann verheerende Folgen haben. Die Untersuchung mit Laserstrahlen ist nicht invasiv. Damit entfällt das Herausschneiden von Gewebeproben. Die Strahlen reflektieren das Gewebe und innerhalb von Sekunden können die Ärzte entscheiden, wo ein Schnitt wirklich erforderlich ist, um erkranktes Gewebe zu entfernen. Ein weiterer Vorteil ist der Gewinn wertvoller Zeit, wie Babar Vaqas, Leiter des Versuchs am Londoner Charing Cross Hospital, gegenüber der BBC erklärte: „Das gibt uns einen offensichtlichen Vorteil bei der Geschwindigkeit“. Die Methode wurde nach Angaben von BBC bisher lediglich im kanadischen Montreal getestet.

Die Raman-Spektroskopie

Die nach dem indischen Physiker C.V. Raman benannte Methode erlaubt es, die Streuung von Licht an Molekülen oder Festkörpern auszuwerten. Mit der Raman-Spektroskopie kann man die Eigenschaften einer Materie untersuchen. Bisher wurde sie zum Beispiel bei der Untersuchung von Kunstgegenständen eingesetzt. Das sich durch die Bestrahlung mir Laser ergebende Spektrum erlaubt Rückschlüsse auf die untersuchte Substanz. „Kranke und gesunde Gewebe haben unterschiedliche Signaturen“, so Martina Schnölzer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Es sei faszinierend, so Schnölzer, dass die Analyse „in Echtzeit“ geschehe.

Das „iKnife“

Bei der Operation in London wendeten die Ärzte eine weitere neue Technologie an. Das sogenannte „iKnife“ ist ein Skalpell, das beim Schneiden Rauch erzeugt. Dieser wird sofort von einer Maschine analysiert und liefert wichtige Erkenntnisse, über die Veränderungen des Gewebes. Der 22-jährige Patient, der selbst Physiker ist und mit Lasertechnik forscht, hat die Operation erfolgreich überstanden und erholt sich gut, wie BBC berichtete. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die neuen Erkenntnisse sich auf die Krebsforschung und die hohe Anzahl von betroffenen Patienten auswirken wird.