Neue Therapie gegen Depressionen auch in Deutschland
Neue Therapie gegen Depressionen auch in Deutschland

Im Gegensatz zu sporadisch auftretenden Depressionen dauern Depressionen mit chronischem Verlauf mindestens zwei Jahre lang an und haben eine starke psychosoziale Beeinträchtigung auf den Betroffenen. Die Patienten kommen aus ihrem emotionalen Tief nicht oder kaum heraus. Laut Eva-Lotta Brakemeier von der Universitätsklinik Freiburg beim Psychiatrie-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin, beginnen chronische Depressionen oft früh. Häufig wären frühkindliche Traumata der Auslöser. Chronische Depressionen haben komplexe Ursachen und sind daher nur schwierig therapierbar. Klassische Psyschotherapieansätze bringen häufig nur einen geringen Erfolg. In den USA werden Patienten mit chronischen Depressionen daher zunehmend nach dem CBASP-Modell (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) behandelt. Erste Studien haben bereits die gute Wirksamkeit der neuen Therapieform bestätigt.

Bisherige Therapien kaum wirksam

Klassische Therapieansätze, wie die kognitive Verhaltenstherapie (CBT), die interpersonelle Psychotherapie (IPT) oder die Tiefenpsychotherapie würden bei Patienten mit chronischen Depressionen häufig nur unbefriedigende Therapierergebnisse erzielen, so Eva-Lotta Brakemeier. Die Auslöser für chronische Depressionen seien oftmals sehr komplex. Häufig seien Kindheitstraumata die Ursache, jedoch nicht in erster Linie sexuelle, sondern eher der emotionale Missbrauch. Laut Studien werden chronische Depressionen bei 70 bis 80 Prozent der Patienten durch psychische Traumate in der frühen Kindheit ausgelöst.  

Spezielle Entwicklung für chronisch Depressive

Das neue CBASP-Modell wurde spezifisch für Patienten mit chronischen Depressionen entwickelt und stellt letztendlich eine Kombination aus kognitiven, verhaltenstherapeutischen und interpersonellen Elemente dar. Mithilfe der neuen Therapie soll es Patienten ermöglicht werden neue Beziehungen zu erlernen und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass ein Verhalten beim Gegenüber Konsequenzen auslöst. Zudem soll geübt werden, mit Angst auslösenden Stimuli umzugehen, ohne die üblichen Vermeidungstaktiken anzuwenden.

Gute Resultate bereits bestätigt

Die gute Wirksamkeit des CBASP-Ansatzes wurde erstmals durch eine im Jahr 2000 publizierte Studie belegt. In den Untersuchungen lag die Erfolgsrate bei den Patienten, die mit einer  Kombination aus CBASP und Pharmakotherapie behandelt wurden bei 85 Prozent. In einer Pilotstudie in Freiburg wurde später die CBASP-Variante und die IPT Variante direkt miteinander verglichen. Hier lag die Erfolgsquote von CBASP knapp dreimal so hoch wie bei der interpersonellen Psychotherapie.

Aufgrund der der guten Ergebnisse laufen derzeit mehrere größere Studien, die den CBASP-Ansatz unter deutschen Bedingungen bei stationären und ambulanten Patienten untersuchen. Laut Eva-Lotta Brakemeier soll CBASP in Zukunft auch in Deutschland mehr zur Anwendung kommen. Die Expertin kündigte daher an, dass es mehr Vorträge und Schulungen geben wird, um den Ansatz bekannter zu machen.