Kleinkind
Babys sollen schon mit sechs Monaten zum Zahnarzt. © panthermedia.net / FamVeldman

Babys sollen bereits mit sechs Monaten das erste Mal beim Zahnarzt untersucht werden. So lautet der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Neufassung der ärztlichen Kinderrichtlinien, den das Bundesministerium für Gesundheit jetzt genehmigte. Insbesondere in der Frage der zahnärztlichen Vorsorge im Baby- und Kleinkindalter ist damit ein wichtiger Schritt getan, den Experten schon lange gefordert hatten.

Karies muss auch bei Kleinkindern früh erkannt werden

Hinter diesen Bemühungen um die Zahngesundheit von Babys und Kleinkindern stehen erschütternde Erkenntnisse. Denn immer häufiger werden bereits im Kleinkindalter Kariesbefall und andere schwere Schäden der Milchzähne diagnostiziert. Bereits 15 Prozent aller Kinder unter drei Jahren leiden an Karies. Die Schädigung der Milchzähne wiederum bleibt nicht ohne Folgen für das bleibende Gebiss. So ist es wichtig, den Kariesbefall, Entzündungen oder gar schlimmere Erkrankungen schnell zu erkennen. Im Frühstadium lassen sich Schädigungen gut beheben – starker und lang anhaltender Kariesbefall macht jedoch komplizierte Behandlungen mit Narkose notwendig, die vor allem bei Kleinkindern mit einem deutlichen Risiko verbunden sind.

Neue Richtlinien für die zahnärztliche Untersuchung

Die neuen Richtlinien sehen nun vor, dass Babys und Kleinkindern von 6. bis zu 64. Monat im Rahmen der gewöhnlichen U-Untersuchungen beim Kinderarzt sechsmal zum Zahnarzt überwiesen werden sollen. Damit soll einerseits die regelmäßige Kontrolle und Vorsorge bei den Kindern sichergestellt sein, zum anderen kann der Kinderarzt den tatsächlichen Zeitpunkt der Untersuchung von der Entwicklung des Kindes abhängig machen.

Verbesserung bei Jugendlichen

Dass Maßnahmen wie die bessere und häufigeren Vorsorgeuntersuchungen tatsächlich zu einer Verbesserung der Zahngesundheit beitragen können, zeigt sich nicht zuletzt bei Jugendlichen, für die es schon länger ein engmaschiges Netz von zahnärztlichen Untersuchungen besteht. Mit Erfolg: Der Kariesbefall ist rückläufig. Noch in den 1980er Jahren hat das durchschnittliche zwölfjährige Kind sieben kariöse Zähne, so ist die Zahl dank Untersuchungen und Aufklärung auf einen erkrankten Zahn zurückgegangen. Dennoch: Im Erwachsenenalter geht jeder Dritte nicht regelmäßig zum Zahnarzt.

Vorsorge beginnt mit der Zahnhygiene

Bei Ärzteschaft und Krankenkassen findet die neue Regelung aufgrund dieser guten Erfahrung große Zustimmung. Zugleich betonen die Experten, dass die dramatische Zunahme der Karieserkrankungen im Kindesalter nicht nur durch bessere Vorsorgeuntersuchungen behoben werden kann. Auch die Zahnpflege im Kleinkindalter muss verbessert werden. Angst vor dem Zahnarzt vergrößert oft sogar den Zahnschmerz. Zum einem setzten die Experten auf Aufklärung der Eltern, denn viele junge Mütter und Väter unterschätzen die Bedeutung der Zahnpflege. Besonders scharf kritisieren die Zahnärzte jedoch, dass in vielen Kitas und Betreuungseinrichtungen das tägliche Zähneputzen eingestellt wurde.