Wartezeit
Ein neuer HIV-Test verspricht deutlich früher Sicherheit © panthermedia.net / Karel Miragaya

Auch wenn in der Aids-Forschung immer wieder über Fortschritte berichtet wird, ist eine Heilung der Krankheit noch außer Sichtweite. Umso wichtiger sind daher zuverlässige Tests, die möglichst schnell Gewissheit geben. Durch neue HIV-Tests verkürzt sich nun die belastende Wartezeit von drei Monaten auf sechs Wochen.

Die Wartezeit hat sich halbiert

Die Verbreitung von Aids hat bereits Millionen Menschen das Leben gekostet. Die Zeit der Ungewissheit über eine Ansteckung kann für Betroffene sehr belastend sein. Umso wichtiger ist ein schneller, aber dennoch zuverlässiger Test, der Gewissheit verschafft. Bisher dauerte das bange Warten drei Monate. Erst dann konnte verlässlich ausgeschlossen werden, dass sich das Virus im Körper eingenistet hat. Die Deutsche Aids-Hilfe teilte nun mit, dass die zuständigen medizinischen Fachgesellschaften die Wartefrist herabgesetzt haben. Damit folgen sowohl die Gesellschaft für Virologie (GfV), als auch die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten (DVV) den europäischen Richtlinien, die bereits vor einem Jahr verändert wurden. Grund dafür ist die verbesserte Diagnose durch sensiblere und kombinierte Testverfahren. Der eigentlich schon seit 1997 erhältliche Antigene-Antikörper-Kombinationstest weist die Antikörper im Blut sicherer und schneller nach als frühere Versionen. Seit längerem wird dieser Kombi-Test in fast allen Labors verwendet. Dennoch wurde die dreimonatige Frist aus Sicherheitsgründen zunächst beibehalten. Doch nun liegen laut dem Virologen Jörg Hofmann (Berliner Uniklinikum Charité) ausreichend Untersuchungen vor, die die Verlässlichkeit der Tests bereits nach sechs Wochen bestätigen.

Vereinfachte Testprozedur

Obwohl ein erster Test erste Anzeichen für eine Infektion liefert, kann nicht zwischen der Reaktion auf den Antikörper beziehungsweise auf das Antigen als Vorstufe des Antikörpers unterschieden werden. Der Western-Blot-Test als bisher verwendetes Bestätigungsverfahren erkannte das Antigen nicht. Nach den neuen Leitlinien soll bei einem negativen Testergebnis jetzt ein Erbgut-Nachweis durchgeführt werden. Damit wird eine in vielen Arztpraxen bereits übliche Vorgangsweise offiziell festgehalten. Außerdem muss in Zukunft für den Suchtest und den Bestätigungstest nur noch eine Blutprobe abgegeben werden, wodurch die psychische Belastung der Betroffenen verringert wird.

Ausnahmen der verkürzten Frist

Jedoch weisen GfV und DVV auf zwei Einschränkungen der verkürzten Fristen hin. Menschen, die mit den seltenen Varianten HIV-1 der Gruppe 0 oder HIV-2 infiziert sind, profitieren nicht von den verkürzten Fristen. Ebenso unzuverlässig erweist sich die Sechs-Wochen-Frist bei Betroffenen, die bereits an einem Immundefekt mit Antikörperbildungsstörung oder einer Immunsuppression leiden. Für alle anderen verkürzt sich die Zeit des zermürbenden Wartens von drei Monaten auf sechs Wochen, in Großbritannien sogar auf nur vier Wochen.