Prävention: Viele Patienten zahlen zu hohe Rechnungen
Prävention: Viele Patienten zahlen zu hohe Rechnungen

In dem von Handelsblatt online dokumentierten Streitfall erhält eine Patientin sowohl von der Sprechstundenhilfe ihrer Hautärztin als auch von ihrer BKK die Information, dass zwischen zwei Terminen im Bereich Krebsvorsorge 24 Monate liegen müssten, damit der gesetzliche Krankenkasse die Kosten von 21,43 Euro übernimmt. Entscheidend sei das Quartal, wie die Patientin erfährt. Die Betroffene, die zuletzt im Mai 2009 eine entsprechende Untersuchung wahrnahm, entscheidet sich, die Vorsorge über eine Privatleistung zu finanzieren; hier gleichbedeutend mit einer Erhöhung der Rechnung um 19,60 Euro. Laut Auskunft der Hautärztin werde die Vorsorgebehandlung im Falle einer Privatleistung grundsätzlich mit Auflichtmikroskop ausgeführt. Wenn die Patientin dies ablehne, hätte sie die Möglichkeit sich zu einem Zeitpunkt behandeln zu lassen, an dem die gesetzliche Krankenkasse für die Rechnung aufkommt; im betreffenden Fall frühestens im Mai 2011. Die Betroffene entschied sich für eine umgehende Untersuchung und legte nach Beratung mit der Unabhängigen Patientenberatung Widerspruch bei ihrer Krankenkasse ein. Zudem forderte sie den durch die Behandlung mit speziellem Gerät zustandegekommenen Aufschlag von ihrer Hautärztin zurück.

Viele Streitfälle über Hautkrebsvorsorge

In dem betreffenden Fall erkannte die Krankenkasse letztlich an, dass die Betroffene bereits seit 1. Januar 2011 wieder Anspruch auf eine Hautkrebs-Früherkennungs-Untersuchung hatte und sagte die Erstattung der gesetzlichen Leistung zu. Die Hautkrebsvorsorge sei laut Angaben von Christine Stenner, Fachanwältin für Medizin- und Sozialrecht, häufig Mittelpunkt von Streitfällen zwischen Patient und Arzt, u. a. da viele Fachleute die Behandlung mit Auflichtmikroskop für unentbehrlich hielten. Abrechnungskonflikte seien auf die “Unwissenheit gerade kleinerer Krankenkassen” zurückzuführen, wie Stenner betont.

Jährlicher Anspruch auf Früherkennung

In § 2 der für die gesetzlichen Krankenkassen, deren Versicherten und Ärzte verbindlichen Richtlinie über die Erkennung von Krebserkrankungen (KFE-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ist seit 3. März 2011 folgendes geregelt: “Der Anspruch auf Früherkennung besteht nach der ersten Inanspruchnahme – soweit nicht in den folgenden Abschnitten oder Anlagen der Richtlinie Abweichendes bestimmt ist – jährlich.“ Patienten ab 35 Jahren können alle zwei Jahre Maßnahmen zur Früherkennung von Hautkrebs beanspruchen. Eine erneute Untersuchung ist erst möglich, wenn das auf die vorangegangene Behandlung folgende Kalenderjahr abgelaufen ist. Laut Anja Girschik, juristische Beraterin bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, konkretisiere die Richtlinie lediglich, dass zwischen zwei Behandlungsterminen mindestens ein Kalenderjahr liegen muss. Im Extremfall könnte es sich sogar nur um einen Zeitrahmen von 14 Monaten handeln, so die Fachanwältin Stenner. Bezugnehmend auf den Abrechnungsstreit dürften die seit etwa dreizehn Jahren existierenden individuellen Gesundheitsleistungen "IGeL" nur auf ausdrücklichen Patientenwunsch sowie nach dessen Unterschrift abgerechnet werden.

Über IGEL-Leistungen informieren

Verbraucherschützer geben den Rat, die IGeL-Leistungen stets und möglichst vor dem Arztbesuch einer kritischen Analyse zu unterziehen, um besser urteilen zu können. Dies kann z. B. durch eigenständige Recherche, die Konsultation eines weiteren Mediziners oder medizinischer Hotlines erfolgen. Laut Patientenvertretern empfiehlt es sich im Falle der Krebsvorsorge zudem, einen Richtlinienausdruck mit zum Arzt zu nehmen.

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