Psychische Störungen bei jedem zehnten Kind
Psychische Störungen bei jedem zehnten Kind

Entwicklungs- und Integrationsprobleme in der Schule können oft ein Indiz für tiefer liegende psychische Störungen von Kindern und Jugendlichen sein. Psychiatern zufolge legt jedes fünfte Kind psychische Probleme an den Tag, jedes zehnte leidet gar unter einer psychisch bedingten Störung. Symptome können sich auf unterschiedlichste Weise äußern und werden nicht in jedem Fall erkannt. Im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Essen befassen sich insgesamt 1.300 Kinder- und Jugendpsychiater, Neurologen, Kinderärzte sowie weitere Experten mit dieser Problematik. Um den Kindern helfen zu können, sei auf lange Sicht mehr Grundlagenforschung notwendig. 

Schulverweigerung als Warnsignal

Martin Knollmann von der kinder- und jugendpsychiatrischen Spezialambulanz für schulvermeidendes Verhalten weist darauf hin, dass Schulverweigerung als erstes Warnsignal möglicher psychischer Probleme angesehen werden muss. Erst bei einer Entdeckung erster Tendenzen sowie weiterer empirischer Forschung könne die Diagnostik und Therapie ansetzen und mögliche Konsequenzen frühzeitig vermieden werden.

Vielfältige Ursachen

Die Ursachen solchen Verhaltens können nach Angaben der Experten je nach Alter äußerst unterschiedlich sein. Im Kindesalter dominiere die angstbedingte Verweigerung, hervorgerufen durch die Trennung von den Eltern oder durch Überforderung. Begleiterscheinungen seien oft auch Kopf- und Bauchschmerzen. Werden die Symptome nicht erkannt und bleiben unbehandelt, kann das weitere Entwicklungsprobleme bis ins Jugendalter nach sich ziehen. In der Jugend seien dann Störungen des Sozialverhaltens, Regelverletzungen oder auch Depressionen häufig.

Langfristige Folgen

Folgen solchen Verhaltens können sich auch bis ins Erwachsenenalter ausdehnen. Wer schon im Kindes- und Jugendalter psychische Probleme hatte, ist beispielsweise vergleichsweise häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen. Auch Kriminalität und das Auftreten dauerhafter psychischer Erkrankungen lassen sich meist auf Entwicklungs- und Integrationsprobleme in der Kindheit oder Jugend zurückführen.

Selbstbewusstsein der Kinder stärken

Auffälligkeiten seien nach Aussagen der Experten nicht mehr so häufig geschlechterbezogen, so seien auch bei Jungen zunehmend Essstörungen wie Magersucht zu beobachten, erklärte Kongresspräsident Prof. Frank Hässler von der Universität Rostock. Insbesondere ein stärkeres Selbstbewusstsein sei hilfreich, psychische Probleme zu vermeiden oder abzuschwächen. Nach Ansicht Hässlers sollte vor allem das Verhalten der Eltern dazu beitragen. Ein allzu großer Leistungsdruck sei dazu nicht förderlich.

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